Der Juni steht ganz im Zeichen der Fußball Europameisterschaft in Frankreich, dem können wir uns natürlich nicht völlig entziehen. Überraschender Weise stehen bei der EM die gleichen Länder auf der Liste der Favoriten ganz oben, die auch im Weinbau in Europa und der Welt führend sind.
Frankreich, Spanien und Italien sind die drei größten Weinproduzenten der Welt und liegen auch, ebenso wie Portugal, beim Pro-Kopf Verbrauch auf den vorderen Plätzen. Sollte es also einen Zusammenhang zwischen den Top-Leistungen auf beiden Feldern, auf dem Fußballfeld und im Weingarten geben? Fest steht jedenfalls, dass in diesen Ländern beides mit größter Leidenschaft gepflegt wird, und nur mit Leidenschaft für die Sache kann man Höchstleistungen erreichen. Egal auf welchem Gebiet.
Wir besuchen diese Länder in dieser Ausgabe des Wein Tourist Magazins, konzentrieren uns aber ausschließlich auf Wein, Genuss, sowie Land und Leute. Der Fußball bleibt dabei außen vor. Garantiert!
Wohin geht es dieses Mal?
Wir beginnen unsere Reise in Portugal, im Douro Tal. Heimat des berühmten Portweins und ältestes geschütztes Ursprungsgebiet für Wein. Ganz nebenbei auch eine wunderschöne Landschaft und UNESCO Weltkulturerbe.
Weiter geht es zum Nachbarn und ewigen Rivalen, nach Spanien. Nach Ronda, einer traumhaft schönen Stadt mit bewegter Geschichte, die ihre Spuren in der Stadt, in der Kultur und nicht zuletzt im Weinbau hinterlassen hat. Ronda ist eine geteilte Stadt, aber anders als Anderswo wird sie durch ein Naturwunder geteilt, das der Stadt einem atemberaubenden Anblick verleiht.
Natürlich besuchen wir auch Frankreich, den Ausrichter der EM 2016. Wie kaum eine andere Region steht das Burgund für Weltklasse im Weinbau. Die teuersten Weine und zweifelsfrei einige der besten Gewächse kommen von dort. Wir begeben uns entlang der Route des Grands Crus, schauen uns aber auch etwas abseits der großen Lagen um.
Schließlich begleiten wir noch Rebekah Pizana auf ihrem Abstecher nach Italien, genauer nach Umbrien. Sie lässt uns an ihrem genussvollen Aufenthalt in einer umwerfend schönen Landschaft teilhaben.
Um noch ein letztes Mal den Fußball zu streifen: Bordeaux ist Austragungsort der EM, dort findet am 2. Juli eines der Viertelfinale des Turniers statt, zu dem sich die DFB-Elf qualifizieren kann. Nur wenige Tage zuvor findet in Bordeaux mit der Fête la Vin auch das größte Weinfest Europas statt. Wie wäre es denn einfach beides miteinander zu verbinden?
Was immer Sie im Juni bevorzugen, Fußball oder Wein, viel Spaß dabei! Vive la Mannschaft!
Das Douro Tal ist die älteste ausgewiesene Weinbauregion der Welt. Einige, mich selbst eingeschlossen, behaupten, dass es auch die schönste sei. Diese Einführung in das Douro Tal ist gedacht als ein Führer zu den besten Wein-Erlebnissen in diesem Tal, das ganz oben steht, auf der Liste der Weinbauregionen Europas, die man (mindestens) einmal besucht haben sollte.
Douro Tal – Quinta das Carvalhas – Bildquelle: Nelson Carvalheiro, www.nelsoncarvalheiro.com
Was mach das Douro Tal so einzigartig?
Die Quintas
Das Douro Tal wurde 1756 als Weinanbaugebiet für den Portwein gegründet, also 20 Jahre vor der Unabhängigkeitserklärung Amerikas und rund 100 Jahre bevor die Bordeaux Premier Crus von Napoleon eingeführt wurden. Das heißt, dass ein Großteil der Weingüter und Weinhandelshäuser fantastische Baudenkmäler aus dem 18. Jahrhundert sind. Beinahe alle sind ausgezeichnet restauriert und mit den modernen Standards der Weinerzeugung ausgestattet. Noch interessanter sind die Herrenhäuser am Flussufer des Douro, welche die Besitzer der Quintas (Weingüter) als Domizil nutzten, die ebenfalls in ausgezeichnetem Zustand sind. Es erinnert an ein Freilichtmuseum, das vom Fluss aus bewundert werden kann.
Familiengeführte Weingüter
Obwohl es mehr als 200 Quintas, also Anwesen mit einer Weinkellerei, gibt und eine riesige Anzahl an DOC und Portwein Marken, befindet sich die überwiegende Zahl dieser Weingüter noch im Besitz der Gründer-Familien. Einige sind seit über drei Jahrhunderten in den Händen der gleichen Familie. Beispiele solcher Dynastien unter den Portwein und DOC Weinproduzenten sind die Guimaraens Familie, Ferreira, Silva Reis und Symington. Während einige Herrenhäuser in Boutique-Hotels umgewandelt wurden, werden andere noch privat genutzt und dienen als Sommersitz oder sogar als permanentes Zuhause einiger Familienmitglieder, die täglich in den Weinbergen arbeiten.
Weltkulturerbe
Ein anderer Aspekt, der das Douro Tal einzigartig macht ist der UNESCO Weltkulturerbe Status. Mit dieser Ehrung wurde im Jahr 2001 die mehr als 2000 Jahre andauernde Weinbau-Tradition in diesem nördlichen Teil Portugals gewürdigt, die eine Kulturlandschaft und ein Landschaftsgebiet von beispielloser Schönheit erschaffen hat, zudem wurden ebenso die technologischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen dieser Region hervorgehoben.
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Landschaft und Terroir
Die Weinberge am Douro ragen steil über dem Fluss auf. Sie sind bis zu 45 Grad geneigt und formen eine beeindruckende Fluss-Landschaft. Die zum Teil uralten Rebstöcke suchen sich Halt in den felsigen Hängen und wurzeln tief in dem Schiefergestein, auf der Suche nach Wasser in einer Region, die für die geringen jährlichen Regenmengen bekannt ist. Dieses anscheinend lebensfeindliche Terrain ist tatsächlich ideal für den Anbau von Weintrauben, eben wegen der exzellenten Wasserableitung, der perfekten Ausrichtung zur Sonne und dem leichten Stress, dem die Reben ausgesetzt sind. Die Pflanze konzentriert all ihre Energie in ihre Früchte. Weintrauben haben eine Neigung besonders in herrlichen Gegenden zu wachsen, dabei ist das Douro Tal keine Ausnahme. Das unwegsame Gelände verhindert weitestgehend eine mechanische Bearbeitung der Rebhänge und sorgt dafür, dass die Handarbeit den allergrößten Part bei der Weinbergsarbeit einnimmt.
Einzigartige Wein-Erlebnisse im Douro Tal
Vintage Tour — QUINTA DA CARVALHAS
Die Vintage Tour der Quinta da Carvalhas ist wahrscheinlich das beste Wein-Erlebnis im gesamten Douro Tal! Dies ist die extravagante Idee von Alvaro Martinho, dem Weinbau Ingenieur und Betriebsleiter der Quinta das Carvalhas. Er war enttäuscht, von der Art, wie andere Quintas ihre Besucher vernachlässigen. Er hat einen Weg gefunden, den Wein-Reisenden einen echten Eindruck von dem zu vermitteln, was das „Landschaftsgefühl“ im Douro Tal ausmacht. Dies ist eines der am besten auf die Gäste ausgerichteten Erlebnisse im gesamten Douro Tal.
Winzer Für einen Tag — QUINTA NOVA
Sónia Pereira ist die hiesige Önologin bei der Quinta Nova und die verantwortliche Person für den ersten Carvalheiro’s 2015 Douro DOC Rotwein — einem Wein, den ich unter ihrer Anleitung bereitet habe. Das ist ein tolles Programm, das einem spielerisch eine praktische Erfahrung zu den Douro DOC Weinen vermittelt. Statt nur zu probieren und zu vergleichen kann man seinen eigenen Cuvée erstellen.
Douro Sonnenuntergangs Wein Kreuzfahrt
Dies war eine der angenehmsten Erfahrungen, die ich während meiner Tour entlang des Douro Tals gemacht habe. Das hügelige Terrain und die Abhängigkeit von den Brücken machen es oftmals zu einem schwierigen Unterfangen, wenn man am Douro von Quinta zu Quinta gelangen will. Zum Glück hat die Natur hierfür seit langem eine Lösung parat und ich gestehe jetzt: die beste Art den Douro zu genießen ist an Bord einer privaten Yacht.
Die Weine der Quinta do Crasto werden weltweit hoch gefeiert. Die Quinta gehört sicher zu den Top Erzeugern in der Douro Region. Der Ausblick von dem Weingut ist an sich schon spektakulär aber das wird nochmal potenziert wenn ihn aus dem unendlichen Pool genießt.
Übernachten in Wein Hotels
QUINTA DA PACHECA in Régua
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Die Quinta da Pacheca ist ein ehemaliges altes Weingut, das an die heutigen Bedürfnisse von modernen Wein-Touristen angepasst wurde. Das Haupthaus im Zentrum des Anwesens wurde kürzlich renoviert und in ein schickes, Boutique-, Luxus-Weinhotel verwandelt. Das Menü im Restaurant wurde vom Chefkoch Carlos Pires arrangiert, der aus Trás-os-Montes im Nordwesten Portugals stammt. Üppige Portugiesische Aromen sind die Hauptkomponenten eines eleganten mehrgängigen Menüs.
QUINTA DE LA ROSA in Pinhão
Alle Zimmer und Suiten in der Quinta de La Rosa haben Blick auf den Fluss. Die ohnehin spektakuläre Aussicht wird vom Sonnenuntergang nochmals verstärkt, er schattiert die Landschaft in einem goldenen Farbton. Es ist nicht das größte Anwesen am Douro, aber die Zimmer, Suiten und Villas liegen in den Weinbergen verstreut, was dem Ganzen einen sehr weitläufigen Eindruck verleiht.
VINTAGE HOUSE DOURO in Pinhão
Das Vintage House Douro ist das, was in der Pinhão Region am nähesten an ein Full-Service, Fünf-Sterne Hotel heran reicht. Vintage House Douro wartet mit Klasse und Stil auf und bietet den Reisenden eine Mainstream-Alternative zu den eher rustikalen Quintas der näheren Umgebung.
Essen und Ausgehen
Gourmet-Erlebnis bei der QUINTA DO PANASCAL
Die Quinta do Panascal überblickt nicht direct den Douro, sie liegt am linken Ufer des Távora. Das Anwesen gehört der Familie Guimaraens und dem Fladgate Verbund, der ein Schwergewicht in der Portwein-Welt ist, zu dem die Portweinhäuser Croft, Taylor und Fonseca gehören. Hier kann man ein privates Menü in den Räumlichkeiten der Guimaraens Familie genießen.
QUINTA DO PÔPA
Die Quinta do Pôpa ist eine neue Weinkellerei die erst vor wenigen Jahren eröffnet wurde. Was dem Anwesen an historischem Charme fehlt, macht es locker mit seinen modernen, zeitgemäßen Einrichtung wieder wett. Sie bieten sowohl einen Wein Brunch als auch ein Pôpa Picknick in den Außenanlagen an.
CASTAS E PRATOS Restaurant in Régua
Castas e Pratos lässt keinen Wunsch offen, wenn es darum geht, dem Besten der traditionellen Portugiesischen Küche einen modernen Schwung zu verleihen, außerdem haben sie mehr als 700 verschiedene Weine zu bieten.
Übersetzte Fassung des Artikels „Douro Valley Wine Adventures“ von Nelson Carvalheiro, erschienen im Wine Tourist Magazine, Ausgabe Februar 2016.
“Zum Autor: Nelson Carvalheiro ist ein vielfach ausgezeichneter Reise-, Wein- und Genuss-Blogger sowie Author des “The Portuguese Travel Cookbook.” Er arbeitet mit Wine Tourism in Portugal zusammen um Portugals Tourismus und Kultur zu fördern.”
Ich stehe auf dem Balkon, soweit das Auge reicht blicke ich über eine absolut natürliche Landschaft. Im Hintergrund flankieren die Berge der Serranía de Ronda die Hoya del Tajo Schlucht, durch die der Fluß Guadalevín hindurch führt. Im Vordergrund sind acht Hektar junger Weinberge zu sehen, die von drei natürlichen Parks umgeben sind. Das alles befindet sich in der Nähe einer Stadt, deren Geschichte weit über 2.500 Jahre zurück reicht. Die Weinberge gehören zum Weingut Descalzos Viejos, die Stadt ist Ronda im südlichen Spanien, wo einem Tradition und Romantik an jeder Ecke begegnen. Dies ist ein Ort, wo man den Legenden der Bandoleros nachspüren kann, jenen spanischen Banden des 19. Jahrhunderts, die Reisende auf ihrem Weg durch die Berge beraubt haben und Stoff für unzählige Abenteuergeschichten liefern.
Ausblick über Ronda und die Hoja del Tajo Schlucht
Der Balkon befindet sich im Haupthaus des Weinguts, wo sich die Büros von Francisco Retamero und Flavio Salesi befinden. Beide sind Architekten von Beruf und Gründer dieses Projekts, das im Jahr 1998 begann. Francisco Retamero kommt aus Málaga in Spanien, Flavio Salesi ist aus Buenos Aires in Argentinien. Die Zwei haben die Weinberge angelegt und das Gebäude renoviert, das ehemals ein Trinitarier Kloster aus dem 16. Jahrhundert war. Am Hauptaltar sind noch antike Fresken aus dieser Zeit erhalten. Hier reifen heute die Weine in Fässern aus amerikanischer Eiche. Dies ist eine der interessantesten Stationen auf der Tour über das Descalzos Viejos Anwesens, zu der auch ein gemütlicher Rundgang durch die Gärten und Obstplantagen des Landguts zählt. Es hat sogar eine eigene, natürliche Quelle. Der Rundgang endet mit einer Verkostung der gutseigenen Weine. In ihrer Kollektion aus sieben Weinen, hauptsächlich Rote, haben sie auch einen Chardonnay. Ab nächsten Sommer wird es auch einen Grenache Rosé geben. Vor ein paar Jahren haben ihre Experimente einen Süßwein aus, von Botrytis befallenen Trauben hervor gebracht, den sie Minima nannten. Viele schöne Desertweine gehen auf das Konto des Botrytis-Pilz, den man auch als Edelfäule kennt. Um diese Önologische Besonderheit zu erzeugen sind zur Ernte spezielle Bedingungen mit hoher Luftfeuchtigkeit nötig.
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Wein-Touren und Weingüter in Serranía de Ronda
„Die Weine sind mächtig, mit sehr schöner Struktur und Volumen am Gaumen“, erklärt Vicente Inat, der Önologe des Weinguts. Dies wird durch sehr spezifische klimatische Bedingungen erreicht. Beispielsweise liegt Ronda auf einer Höhe von etwa 700 Metern über dem Meeresspiegel, gepaart mit einem saisonalen Temperaturwechsel, zwischen kalten Wintern und sehr heißen Sommern, sind dies die bestimmenden Faktoren für die Weinbereitung in dieser Region. Das Mittelmeer, das etwa 50 Kilometer entfernt ist, der Atlantik, etwa 100 Kilometer entfernt und der Kalk-Mergel-Boden bestimmen die Weine dieser Gegend. „Die Kombination aus all diesen Faktoren sorgt dafür, dass die meisten Weine aus Ronda diese Kraft und Struktur aufweisen, da alle Reben in ähnlichen Konditionen wachsen.“ fügt Manuel Moreno hinzu, Generalsekretär des Regulierungsrats für die Ursprungsbezeichnungen (Denominacion de Origin, DO) Málaga, Sierras de Málaga und für Malaga Rosinen (http://www.vinomalaga.com/). Diese Institution ist verantwortlich für „Vertretung, Schutz, Garantie, Ausbildung, Forschung, Entwicklung, Innovation und Marketing für den Wein und Rosinen Markt“, des DO-Gebiets der Provinz Málaga.
Rondas beste Weine bilden einen Teil der DO Sierras de Málaga. Die Weine von Descalzos Viejos sind schöne Beispiele, aber dies ist nur eines der 22 Weingüter in Ronda, die im Málaga Regulierungsrat zusammengeschlossen sind. Das wiederum ist nur rund die Hälfte der gesamten Zahl von 45 Weinbaubetrieben in der Provinz Málaga. Die Hauptrebsorten in diesem Weinanbaugebiet sind Syrah, Grenache, Petit Verdot, Graciano, Merlot und Cabernet Sauvignon. Aus diesen Sorten wird hauptsächlich Rotwein erzeugt, inzwischen haben aber auch erste Winzer in der Region damit begonnen Weißweine und Rosès zu produzieren, ebenso wie Desertweine, die hauptsächlich aus Muskateller gekeltert werden. Man kann hier beinahe jedes Weingut besuchen. Die Ronda Wein- und Weingüter-Route von Serranía de Ronda (http://www.ruta-vinos-ronda.com/index.php/en/) bietet eine Weinproben-Tour mit bis zu 16 verschiedenen Stationen, zum Beispiel bei Weingütern wie La Sangre oder Doña Felisa, das die berümten Chinchilla Weine erzeugt. Sie alle sind mit dem Auto nur ein paar Minuten von Ronda entfernt und ihre streng gehüteten Wein Geheimnisse werden für Besucher gelüftet. Das Ronda Wein-Museum (http://www.museodelvinoderonda.com) promotet zur Zeit das La Sangre Weingut, das in der Altstadt ansässig ist, einem idealen Ort um die regionalen Weinbau Traditionen zu erkunden und zu erfahren, wie die Phönizier, die Römer sowie die Araber die Weinbereitung beeinflusst haben, aber auch um aus erster Hand zu beobachten wie in dieser Region Wein erzeugt wird. Sie können auch an Wein-Verkostungen und Workshops teilnehmen, um Ihr Wissen um die regionalen Erzeugnisse zu vertiefen.
Eine historische Stadt
Das Weinmuseum Museo del Vino ist ganz in der Nähe des faszinierenden Museo del Bandolero, wo man alles über Spaniens berühmte Banditen erfahren kann. Das ist auch ein guter Startpunkt für ihre persönliche Entdeckungstour durch Ronda, einer Stadt, die durch eine knapp 100 Meter tiefe Schlucht, El Tajo genannt, getrennt ist, aber mit einer spektakulären Brücke, der Puente Nuevo, wieder vereint wurde. Dieses Monument aus dem 18. Jahrhundert wäre schon ein Grund alleine, die südspanische Stadt zu besuchen. Das historische Mauren-Viertel bietet viele interessante Sehenswürdigkeiten, beispielsweise das Museo de la Ciudad (Stadtmuseum), wo man Rondas 2.500 jährige Geschichte erleben kann, oder der malerische und faszinierende Plaza de la Duquesa de Parcent. An diesem Platz liegen das Rathaus und drei Kirchen, von denen vor allem die Parroquia de Santa Maria la Mayor schlicht überwältigend ist. Es hat zwei Jahrhunderte gebraucht, um sie fertig zu stellen, was zu einem einzigartigen Bauwerk geführt hat, das die ursprüngliche Gotische Architektur mit den späteren Renaissance- und Barrock-Stilen vereint. Es gibt sogar ein Minarett, ein Überbleibsel der Arabischen Moschee, die dort während der moslemischen Periode stand, bis Ronda wieder durch die Christen eingenommen wurde.
Puerta del Almoncábar – Reste der Stadtmauer von Ronda
Diese Kultur hat bedeutende Spuren in diesem Gebiet hinterlassen. Ganz in der Nähe der Kirche kann man noch immer viele Überreste der moslemischen Kultur sehen, zum Beispiel das San Sebastian Minarett, die antike Brücke, die prächtigen Arabischen Bäder oder das Puerta del Almoncábar Tor, das eines der auffälligsten Reste der ehemaligen Stadtmauer ist. Nicht weit davon findet man die Espiritu Santo Kirche. Der Legende nach stammt eine Macke in einer der Marmorplatten vom Pferd von Ferdinand der Katholische, als dieser im Jahr 1485 erfolgreich die Truppen der Christen in die Stadt führte. Die Legende besagt weiterhin, dass der Sieg der christlichen Truppen einer Verwirrungstaktik von Ferdinand zu verdanken war. Er habe die Hufeisen der Pferde vertauschen lassen, so dass die muslimischen Truppen durch die Spuren getäuscht wurden, weil sie dachten die Christen seien geflohen. Stattdessen sind sie auf die Stadt zu geritten und haben sie zurück erobert. Man kann die historische Stadtbesichtigung mit einem Besuch des Alameda del Tajo Parks abrunden, wo man eine überwältigende Aussicht genießt und die Stierkampfarena Real Maestranza de Caballería de Ronda zu finden ist. Vor dieser prächtigen Arena stehen zwei Statuen, eine zeigt Ernest Hemingway, der während seiner Spanienreisen regelmäßig Ronda besuchte und die Stierkampf-Tradition liebte, die zweite zeigt Orson Welles, dessen Asche in einem Anwesen in der Stadt aufbewahrt wird.
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Eine Tour durch die örtliche Gastronomie
Einer der besten Orte, um die vielen Weine der Serranía de Ronda zu probieren, ist Vinoteando (http://www.vinoteando.com/), eine Enoteca, wie hier die Vinotheken genannt werden, wo zu den Weinen häufig regionale, saisonale Delikatessen, wie beispielsweise Gemüse, Champignons oder Luftgetrocknete Fleischwaren, gereicht werden. Sie haben sogar einen Wein-Tasting Club. Ein anderer toller Ort um die Weine Rondas zu genießen ist Entrevinos (http://www.entrevinos.net/), wo man auch köstliche, traditionelle Tapas oder Snacks bestellen kann.Ein Glas Wein kostet generell um die zwei Euro.Sowohl Vinoteando als auch Entrevinos haben englisch sprechendes Personal, was in der Stadt nicht selbstverständlich ist. Es ist ziemlich einfach hier exzellente Restaurants mit ausgezeichneter Küche zu finden. Wildgerichte, frisches Gemüse, Saubohnen mit Knoblauch und Serrano-Schinken in Tomatensauce oder Mandelsuppe sind die verlockenden Speisen dieser Region. Außerdem ist das Meer nicht weit entfernt, man findet köstlichen frischen Fisch und Meeresfrüchte. Wenn man am Restaurant Las Martirio vorbei kommt, entdecken die Feinschmecker auf den ersten Blick eine breite Auswahl an hochwertigen Delikatessen in der Auslage, wie beispielsweise Rotbarbe, boquerones en vinagre (frische, marinierte Anchovies), fitierter Fisch und Roten Thun aus dem Atlantik. Normalerweise kommen nicht viele Touristen in dieses Restaurant, wo man jeden Donnerstagabend ein Flamenco Konzert genießen kann.
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Zwei weitere Restaurants, die es zu erwähnen lohnt, sind ganz in der Nähe: Bar Faustino oder Casa Moreno “el Lechugita”, das ein traditionsreiches Lokal in der Stadt ist, wo man sich auf die Schnelle eine Kleinigkeit zum Essen mitnehmen kann.
Spanien ist berühmt für seine köstlichen, luftgetrockneten Fleisch- und Wurstwaren, und die Serranía de Ronda wird dem gerecht wie kaum eine andere Region. Lomo Embuchado (luftgetrochnete Hartwurst aus bestem Lendenfleisch), Payoyo Ziegenkäse (einzigartig in dieser Region), Salchichón (eine Art Salami) und schließlich Iberischer Schinken, um nur einige zu nennen. Diese Delikatessen gibt es in verschiedenen Geschäften in der Innenstadt zu kaufen, beispielsweise bei: La Cueva de Pasos Largos, Boutique Queso y Jamón, La Tienda de Trinidad und bei Vino con Jamón, die alle an der Hauptstraße von Ronda zu finden sind, offiziell heißt sie La Carrera Vicente Espinel aber die Einheimischen nennen sie nur Calle la Bola.
Am südlichen Rand der Stadt liegt der Plaza del Socorro, wo man seiner Leidenschaft für traditionelle Süßwaren frönen kann. Las Campanas stellt noch immer die regionale Spezialität Yemas del Tajo her. Dieses leckere Gebäck aus Eigelb ist ein süßer Snack und ein unwiderstehliches Erlebnis auf jeder Tour durch Ronda. Außerdem ist eine Tour durch Ronda selbstverständlich undenkbar ohne die Weine.
Weingüter besuchen
Ihre Wein-Tour beim Weingut Descalzos Viejos, können Sie über dessen Website oder per Email buchen. Eine Liste der Weingüter, die an der Ruta vinos y bodegas serranía de Ronda (Wein- und Weingüter-Route) teilnehmen, sind mit ihren Kontaktdaten und Adressen hier zu finden: www.ruta-vinos-ronda.com. Es gibt auch Unternehmen, wie beispielsweise Spain Food Sherpas (www.spainfoodsherpas.com), die gerne für Sie einen eintägigen Wein-Ausflug in Ronda organisieren, wo sie die Weingüter, die Gastronomie und die Hauptattraktionen der Stadt entdecken können.
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Unternehmungen in der Serranìa de Ronda
Acinipo
Serranía de Ronda – das Bergland von Ronda
Acinipo ist eine interessante archäologische Stätte. Hier gibt es die Überreste einer altertümlichen Römischen Siedlung zu erkunden, die ihren Höhepunkt im ersten Jahrhundert nach Christi hatte. Sie ist etwa 20 Kilometer von Ronda entfernt und man kann unterwegs einige Weingüter besuchen, die sich entlang der reizvollen Strecke befinden.
Serranía de Ronda – das Bergland von Ronda
Die Stadt Ronda liegt in dieser Region im Norden von Málaga. Es gibt rund 20 andere kleine Orte in dieser Gegend, die meistens zwischen 200 und 1.000 Einwohner haben. Die schmalen Straßen und die weißen Häuser, welche die entzückenden Orte und Städte Muslimischen Ursprungs charakterisieren, sind eine perfekte Kulisse für einen Tag mit Weinverkostungen, Gastronomie und regionalen Traditionen. Die umgebenden Kastanienwälder sind schlicht wunderschön. Eine kuriose Sehenswürdigkeit in dieser Region ist Júzcar. Die Stadt wurde in Blau gestrichen, besser gesagt in „Schlumpf-Blau“, um die Weltpremiere des Kinofilms „Die Schlümpfe“ zu feiern.
Sierra de Grazalema
Die Sierra de Grazalema ist ein Naturpark, der zum Teil in Málaga und zum anderen Teil in Cádiz liegt. Er erstreckt sich über mehr als 50.000 Hektar und ist ideal zum Wandern geeignet. Neben Ronda beherbergt dieser Naturpark auch malerische weiße Orte, wie Algodonales, Ubrique und Grazalema. Besonders faszinierend ist Zahara de la Sierra, ein wunderschöner kleiner Ort auf einer Bergkuppe, mit einem schillernden Stausee am Fuße des Berges.
Wie kommt man hin?
Am einfachsten kommt man nach Ronda mit dem Auto. Mietwagenstationen gibt es am Flughafen von Málaga, sowie in der Stadtmitte von Málaga oder in vielen weiteren Orten an der Costa del Sol, wie Torremolinos, Fuengirola, Benálmadena oder Marbella. Von Málaga nimmt man die Guadalhorce Schnellstraße und dann die Autobahnen A-357 und A-367, an denen Ronda sehr gut ausgeschildert ist. Man kann sich hier kaum verfahren. Eine andere Möglichkeit wäre die Autobahn A-7, die entlang der gesamten Costa del Sol verläuft und dann auf die A-397 von San Pedro de Alcántara nach Ronda zu wechseln. In beiden Fällen dauert die Fahrt mit dem Auto nach Ronda etwa eineinhalb Stunden (rund 100 Kilometer). Das letzte Stück der Strecke ist ziemlich schmal und kurvig, fahren Sie also langsam und genießen Sie die atemberaubende Aussicht auf die Serranía de Ronda. Von Sevilla nach Ronda sind es rund 130 Kilometer auf Landstraßen, was die Fahrt etwa auf zwei Stunden ausdehnt.
Man kann auch von Málaga aus einen Zug nehmen. Dies ist eine günstige Möglichkeit einen gemütlichen zweistündigen Trip nach Ronda zu unternehmen, allerdings ist die einzige Zugverbindung am frühen Morgen. Eine weitere günstige Verbindung ist mit dem Bus, der ebenso etwa zwei Stunden benötigt.
Dies ist eines der besten Hotels in Ronda und ist nur ein paar Gehminuten von der Innenstadt entfernt. Runden Sie ihren Wein-Urlaub mit einer Schönheitskur mit aus Weinhergestellten Kosmetikprodukten ab.
Übernachtung und Frühstück zu einem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis. Am Bahnhofsvorplatz gelegen.
ESSEN UND AUSGEHEN
LAS MARTIRIO
Calle Las Tiendas, 2
Ein kleines, modernes Restaurant, wo der Fisch des Tages der Favorit ist. Regionale Speisen, wie die Suppen und Eintopfgerichte sind ebenso hervorragend.
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BAR FAUSTINO
Calle Santa Cecilia, 6
Ein traditioneller Andalusischer Innenhof und entsprechendes Dekor machen die Atmosphäre dieses Restaurants aus, das auf regionale Küche spezialisiert ist. Hierher kommen nur wenige Touristen.
CASA MORENO “EL LECHGUITA”
Calle Virgen de los Remedios, 35
Kleine aber entzückende, typisch Spanische Snackbar, wo man aus 72 verschiedenen Arten von Tapas, zu sehr moderaten Preisen, wählen kann.
Dies ist das Restaurant des Hotel Montelirio, man braucht aber nicht im Hotel zu übernachten, um hier zu speisen. Ausgezeichnetes Essen und eine beeindruckende Ansicht auf die Tajo de Ronda Schlucht.
CASA MARÍA
Plaza Ruedo Alameda, 27
Eine kleine Tapas Bar in der Nachbarschaft von San Francisco, mit saisonalen Gerichten. Beinahe alles was serviert wird, wird aus den zur jeweiligen Jahreszeit verfügbaren Zutaten hergestellt.
MESÓN EL SACRISTÁN
Plaza Duquesa de Parcent
Sehr einladendes Restaurant mit regionaler Küche zu moderaten Preisen. Für Familien ideal geeignet.
Übersetzte Fassung des Artikels „Ronda – Legend, Tradition and Romance“ von Nacho Sánchez, erschienen im Wine Tourist Magazine, Ausgabe Mai 2016.
“Zum Autor: Nacho Sánchez lebt am Strand in Málaga, einer Region mit einer langen Wein-Tradition und einigen der interessantesten Spanischen Weinen. Er hat als Journalist für verschiedene Medien mit dem Fokus auf Wein und regionaler Küche gearbeitet.”
Übersetzte Fassung des Artikels „Route des Grands Crus“ von Valérie Nourissat, erschienen im Wine Tourist Magazine, Ausgabe May 2016.
Die Weine des Burgund gehören zweifellos zu den bekanntesten und bedeutendsten Weinen der Welt. Wir assoziieren sie mit dem Konzept des Terroir und liegen damit auch goldrichtig, denn im Burgund ist alles im Sinne der „Lage“ ausgerichtet.
Für mich bedeutet Terroir, dass Weine eine Identität haben, die von der Lage und der Region, dem Wetter und den Böden, sowie schließlich von den Weinmachern, deren Philosophie und Traditionen geprägt ist. Im Burgund hat das Konzept aber eine noch tiefere Bedeutung. Hier spricht man von Climats und Lieux-dits, was sich auf den Beitrag der Männer und Frauen bezieht, die seit 2000 Jahren die Böden und das jeweils einzigartige Mikroklima beobachten.
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“Zur Autorin: Valérie Nourissat veröffentlicht elektronische Weinreiseführer unter dem Label Adventure into Flavours. Außerdem organisiert sie Wein-Events mit dem Fokus auf Allgemeinbildung in Sachen Wein und Förderung der Weinkultur.”
Der aus meiner Sicht beste Weg die Region zu “erfahren”, ist, dorthin zu reisen und sich auf den „Burgunder Pfad“ zu begeben. Sie können mit der 60 Kilometer langen Route des Grands Crus, beginnen, wo Sie weltberühmte Weingüter finden werden, wie beispielsweise Clos Vougeot, Romanée Conti, Corton Charlemagne… und viele mehr.
Das Burgund ist aber weit mehr als die Route des Grands Crus, die durch die Regionen Côte de Nuits (hauptsächlich Rotweine) und Côte de Beaune (überwiegend Weißweine) führt, nicht zu vergessen sind Chablis im Norden, und Côte Chalonnaise sowie Maconnais weiter im Süden, in Richtung Lyon.
Es gibt viele großartige, kleine Erzeuger im Burgund. Hier einige Beispiele von leidenschaftlichen Weinmachern, die mit großem Respekt zur Natur eine wundervolle Arbeit vollbringen.
Jane et Sylvain 9 Rue du Chêne, 21220 Gevrey-Chambertin, France +33 3 80 34 16 83 – janeetsylvain@hotmail.fr
4 Hektar, zu 100% biologisch, zertifiziert seit 2003
Jane und Sylvain ist die Geschichte von Sylvain aus Paris, der sich in Jane, eine Frau aus dem Burgund verliebte. Sylvain entdeckte aber schnell, dass da nicht nur die Liebe zu Jane war, sondern auch eine Leidenschaft zum Wein und zum Burgund. Als sie 1993 begannen zusammen zu arbeiten, entschieden sie, den Einsatz von chemischen Produkten für Ihre Reben zu reduzieren. Im Lauf der Zeit haben sie kontinuierlich ihre Abhängigkeit von den Chemikalien reduziert, bis sie schließlich komplett auf biologischen Weinbau umstellen konnten.
Von Bourgogne Passetoutgrain bis Gevrey Chambertin Premier Cru, sind ihre Weine sehr schön ausgewogen und schmecken ausgezeichnet. Schauen Sie unbedingt dort vorbei und besuchen Sie die beiden! Sylvain freut sich mit Ihnen etwas Zeit zu verbringen und ihre beider Geschichte zu erzählen. Die Weinpreise sind angemessen zwischen 10,- und 22,- Euro, die Weine sind von außergewöhnlicher Qualität.
Chandon de Briailles 1, rue Soeur Goby, 21420 Savigny-les-Beaune, France +33 3 80 21 52 31 – contact@chandondebriailles.com
Dies ist ein biodynamisch arbeitendes, 13 Hektar großes Weingut, mit bedeutenden Ländereien in Corton, Corton-Charlemagne, Savigny-lès-Beaune und Pernand Vergelesses, die sich seit 1834 im Besitz der Familie de Nicolay befinden. Heute betreiben die Geschwister Claude und François de Nicolay das Anwesen. Besondere Merkmale ihrer Weinbereitung sind, dass sie zum Teil ganze Trauben verwenden und sie beim Ausbau der Weine neue Eiche meiden. Ihre Weine sind außergewöhnlich elegant und spiegeln perfekt das Terroir wider.
Darüber hinaus ist es möglich auf dem Anwesen zu übernachten. Das Haus und der Garten sind bezaubernd und unbedingt einen Besuch wert. Vier Kilometer nördlich von Beaune im Côte d’Or, liegt das Weingut im nördlichen Teil der Region Côte de Beaune inmitten den berühmten Burgundischen Weinberge.
23 rue de la gare, 21190 Nantoux-Meursault, France +33 3 80 26 03 13 – domaine@montchovet.fr
Didier ist einer der Pioniere des biodynamischen Anbaus im Burgund. Seit seinem 12. Lebensjahr weiß er, dass er Winzer werden möchte und im Lauf der Zeit wurde er davon besessen Weine auf natürlicherem Weg zu produzieren. Er wuchs in einer Winzerfamilie auf, aber sein Vater hatte kein Interesse an biologischen Verfahren. Als für Didier die Zeit kam, ging er seinen eigen Weg in diese Richtung. Er suchte fünf Jahre lang einen Weinberg und konnte den ersten im Jahr 1984 in seinem Heimatort erwerben. Heute hat Didier Montchovet 13 Hektar Rebfläche. Meiner Ansicht nach muss man seine Weine unbedingt probieren. Ich habe alles, was ich an Didiers Weinen verkostet habe, geliebt. Man wird gefangen von der Leidenschaft im Wein und den Geschichten die dahinter stecken.
Ein weiteres lohnendes Ziel auf dem Weg ist Caveau de Puligny in Côte-de-Beaune.
1, rue de Poiseul, 21190 Puligny-Montrachet, France +33 3 80 21 96 78 – wallerand.julien@wanadoo.fr
Julien Wallerand, ein junger Mann in den Dreißigern, kommt ursprünglich aus dem Norden Frankreichs und ist der Sohn des ehemaligen Chef-Sommelier bei Caveau de Puligny in Côte-de-Beaune. Heute ist Julien der Eigentümer des Restaurants und ist stolz über die Tatsache, dass er jährlich 2.000 Weine aus der ganzen Region probieren darf. Aus dieser imposanten Anzahl wählt er “die besten Weine des Burgund”. Alleine schon deshalb gehört sein Restaurant zum Pflichtprogramm auf dem “Burgunder Pfad”, wenn man ein breites Sortiment an Weinen von verschiedenen Top-Erzeugern, versammelt an einem einzigen Ort, entdecken will. Sicher werden Sie auch die vielen Geschichten interessieren, die Julien sehr gerne mit seinen Gästen teilt. Während den Sommermonaten, öffnet Julien die Terrasse und das Personal bringt kleine Häppchen, um Ihre Verkostung zu bereichern.
Übersetzte Fassung des Artikels „Where is Rebekah? Umbria | Italy“ von Rebekah Pizana, erschienen im Wine Tourist Magazine, Ausgabe Dezember 2015.
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Rebekah Pizana ist eine Food und Wein Journalistin, sowie Rezept Autorin. Rebekahs Kolumnen werden seit 2006 in Zeitungen, Magazinen und Online veröffentlicht.
Mein zweiter Besuch in Italien war im Juni 2014. Ich sah bisher nur den nördlichen Teil des Landes, Mailand, Venedig, Modena oder die Alpen, und hatte bislang dort nicht die herzhaften Noten gefunden, mit denen wir in den Vereinigten Staaten eher vertraut sind. Pasta, Marinara-Soße und Rotwein.
Als wir im Anflug auf den Flughafen Perugia in Umbrien waren, hat der Anblick der Hügel, der rustikalen Villen und Reben so weit das Auge reicht, mein Herz ergriffen. Etwa 30 Minuten oder so vom Flughafen entfernt liegt eine ländliche Stadt namens Collelungo. Auf der Kuppe eines Hügels gelegen, mit Sangiovese und Merlot hinterm Haus, steht ein komplett renoviertes, altes Steinhaus, mit der idyllischsten italienischen Küche, die man sich vorstellen kann. Ein randloser Pool, aus dem man weitere Weinberge, Hügel, benachbarte Herrenhäuser und Olivenbäume überblickt, vervollständigt das Bild.
Das Haus kann man komplett buchen, ideal für einen Aufenthalt von einer Woche oder mehr, je nach Verfügbarkeit. Paola, die hauseigene Lebensmittelversorgerin und Küchenchefin gehört zum romantischen Pauschalpaket dazu. Nachdem ich ihr permanent beim Kochen und der Zubereitung der köstlichen Speisen zugesehen habe, habe ich beschlossen, sie mit zu mir nach Hause zu nehmen. Die Spezialität von Podere Calzone ist Wildschwein-Ragout. Ein Pizza-Steinofen im Freien wird auch zum Rösten des knusprigen Brotes mit Olivenöl, frischen Knoblauchzehen und Meersalz verwendet. Das Brot wird mit hausgetrocknetem und gereiften Prosciutto, sowie Oliven aus dem hauseigenen Olivenhain gereicht. Das Mahl wird mit unettikettierten Rotweinflaschen und einem Dessert mit hausgemachtem Limóncello und Amaretto Gebäck abgerundet.
Ich plane gerade meinen dritten Trip und ich muss gestehen, dass seit dem Aufenthalt in Umbrien, Italien zu meinem Paradies wurde. Ein Paradies mit umwerfenden Küstenorten, nach Norden und Süden verstreuten Burgen, unvergleichliches Olivenöl und Wein, malerische Orte mit Salumeria e Formaggi Geschäften (Wurstwaren und Käse), die man nur aus Filmen kennt, und natürlich Tankstellen, wo 1-Euro-Espressi in Porzellantassen serviert werden. Ein Seufzer… Ich kann es kaum erwarten, zurück zu kommen.
In Sachen Wein geben seit langer Zeit die Länder im Westen und Süden Europas den Ton an. Frankreich gibt den Takt vor, in Italien, Spanien, Deutschland und Österreich spielt die Musik. Still und leise, bislang vom Publikum beinahe unbemerkt, betreten aber neue Mitspieler aus dem Südosten die große Bühne. Wir richten diesen Monat unseren Blick speziell in die aufstrebenden Regionen des „nahen Ostens“ Europas, die auf eine lange Weinbau-Tradition zurückblicken, aber gerade in jüngster Vergangenheit ihre Weinindustrie und damit einhergehend die Weinstile modernisiert und in Bezug auf die Qualität enorme Sprünge vollzogen haben.
Der große Reiz an diesen Regionen ist ihr Erbe an den unzähligen, weitestgehend unbekannten, autochthonen Rebsorten, die es hier zu entdecken gibt. Natürlich halten auch die internationalen Sorten Einzug, häufig befördert durch internationale Investoren und gefördert von westlichen Institutionen. Ein weiteres Pfund mit dem diese Weinbaugebiete wuchern können ist die sagenhafte Landschaft, was mich persönlich aber am meisten überrascht hat sind die vielen Superlative, die wir hier vorfinden. Seien es die größten Weinkeller und die größte Weinsammlung der Welt oder aber der größte Weingarten Europas.
WOHIN GEHT ES DIESES MAL?
Wir beginnen unsere Reise in Österreich an der Donau, genauer in der Wachau. Wir finden dort Weltkulturerbe und Weltklasse Weine. Von dort geht es weiter auf den Balkan nach Slowenien und Montenegro. Die Weinindustrie beider Länder hat seit deren Unabhängigkeit einen enormen Aufschwung erlebt. Weiter in Richtung Osten treffen wir wieder auf die Donau auf ihrem Weg zum Schwarzen Meer, wir machen hier Station in Moldawien das uns in vielerlei Hinsicht zum Staunen bringt und runden schließlich unsere Reise mit einem Kellergespräch mit einer bekannten Weinmacherin aus Rumänien ab.
Zu Beginn habe ich das Bild des „Orchesters“ gewählt und das nicht ohne Hintergrund, denn wir freuen uns ganz besonders über den ersten Beitrag von Aloisia Dauer, die sich auf die Weine Rumäniens konzentriert. Neben der Welt des Weins ist Aloisia in der Welt der Musik zu Hause, als Violinistin auf höchstem Niveau. Sie findet in ihren Berichten garantiert den richtigen Ton.
Übersetzte Fassung des Artikels „The Best Country for Wine Tourism?“ von Chris Boiling, erschienen im Wine Tourist Magazine, Ausgabe März 2016.
„Ich fresse meine Arbeiter schon nicht, und das wissen sie auch.”, so stellt mir der biodynamische Weinmacher Radovan Šuman sein Personal vor – es sind Enten und Schafe. Dies ist einer der vielen unvergesslichen Momente meiner kurzen Tour durch eines der faszinierendsten Weinländer Europas: Slowenien.
Slovenske Gorice – Bildquelle: Lenarčič; www.slovenia.info
Innerhalb von ein paar Tagen und wenigen hundert Kilometern habe ich eine enorme Bandbreite an Wein gesehen und gekostet. Ich habe einige der besten trockenen Weine der Welt probiert – Sortenreine Sauvignon Blancs, Rieslinge, Pinot Blancs, Pinot Gris, Chardonnays und Traminer. Ich habe auch ausgefallene Varianten probiert – Sauvignon Blanc, der für eine lange Lagerung bereitet wurde, Pinot Gris, der pinkfarbener war, als viele Rosés, einen Traminer, der 18 Jahre lang in Eichenfässern gereift ist und Weißweine, die länger als ein Jahr auf der Maische gelegen haben.
Ich habe Weltklasse Rotweine aus Pinot Noir, Merlot, Cabernet Sauvignon und Barbera gekostet. Auch habe ich ausdrucksvolle Weine aus weniger bekannten Trauben genossen, beispielsweise aus Furmint, Rebula, Pinela, Zelen, Blaufränkisch und Zweigelt. Einige der ungewöhnlichsten und vielschichtigsten Mischungen habe ich auch probiert. Es gab einen Gemischten Satz, Zaria genannt, der einige der ältesten weißen Trauben des Landes enthält: 55% Pinela, 20% Zelen, 10% Rebula, 8% Vitovska, 4% Klarnica, 2% Chardonnay und 1% Rumeni Muškat. Und es gab einen Rotwein, der aus 50% Pokalca (Schioppettino), 30% Modra Frankinja (Blaufränkisch) und 20% Refošk (Refosco) gemacht wurde.
Ich habe Weine probiert, die in riesigen Stahltanks, Barriquefässern, Betoneiern oder Amphoren ausgebaut wurden. Ich habe moderne Weinkellereien gesehen, die in den Hang hineingebaut wurden, Keller die bis auf das Jahr 1239 zurückgehen und Höhlen, die per Hand gegraben wurden. Ich sah die älteste Weinrebe der Welt und eine, die die Reblaus überlebt hat, da sich ihre Wurzeln in einem Haus befinden. Ich sah auch Landstriche mit neuen Anpflanzungen auf überwältigend schönen, terrassierten Hängen.
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Sloweniens „Alte Reben“ Weinfest
Das alles habe ich in einem einzigen Land erlebt. Einem kleinen, wenig bekannten Land, das häufig von den Nachbarstaaten, Italien, Österreich, Ungarn und Kroatien überstrahlt wird. Slowenien ist ein Land voller Berge, Seen, Wälder, ruhiger Straßen und 22.300 Hektar Weinbergen. Die meisten Stationen auf der Tour sind kaum zwei Stunden Fahrt von der Hauptstadt Ljubljana entfernt. Und diese Ausfahrten bereiten unwahrscheinlich viel Freude.
Als Wein-Tourist sollte man unbedingt die Touristeninformationszentren (TIC) der jeweiligen Stadt aufsuchen. Diese verkaufen häufig Wein, bieten Verkostungen an oder arrangieren Besuche bei den Weingütern. Die Weine sind im Großen und Ganzen recht gefällig, rund 77% der Weine tragen die geschützte Ursprungsbezeichnung Sloweniens (PDO – Protected Designation of Origin), und man wird stets aufrichtig und herzlich begrüßt.
Bei kleineren Weingütern ist es üblich, dass der Winzer einen persönlich herumführt und die Weinprobe leitet. Sie sind dabei oft so leidenschaftlich, dass solche Verkostungen schon mal ein paar Stunden dauern können, denn sie möchten, dass man alles probiert, was sich sonst noch in ihren Fässern und Tanks befindet. Bei einem Weingut hat man für mich einen Furmint von 1976 hervorgeholt. Bei einem anderen haben sie nach meiner Meinung zu einem Chardonnay von 1990 gefragt, der also aus der Zeit stammt, bevor sich Slowenien von Jugoslawien loslöste.
Erfreulicherweise bieten viele der Weingüter eine Unterkunft an oder haben zumindest Bekannte, die ein Gästehaus betreiben. Ein Zimmer kostet durchschnittlich 50,- bis 70,- Euro pro Nacht. Man bekommt hier noch richtig was für sein Geld. So kann man guten Weißwein für 6,- bis 12,- Euro kaufen, ein ordentlicher Rotwein liegt zwischen 8,- und 15,- Euro und ein Dreigangmenü kostet 10,- bis 12,- Euro.
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Slowenien ist in drei Weinbauregionen unterteilt, Podravje, Posavje und Primorje. Jedevon ihnen hat ihre eigenen Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten aufzuweisen.
Die Region im Nordosten, Podravje, ist für trockene Weine bekannt, die meist aus internationalen Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Riesling und Traminer, sowie dem regionalen Flaggschiff Furmint (hier auch Sipon genannt) gemacht sind. Es gibt auch schöne Vertreter von Pinot Noir und den österreichischen Rotwein-Sorten Blaufränkisch und Zweigelt.
Weinberge von Jeruzalem. Bild: Marco Coppo; www.slovenia.info
Die wichtigsten Städte dieser Region sind Maribor, wo die älteste Rebe der Welt zu finden ist (über 450 Jahre alt), und Ptuj, wo die Pullus-Keller bis ins Jahr 1239 zurückdatieren. In Podravje findet man auch den ältesten Schaumweinproduzenten des Landes, Radgonske Gorice, der seit 1852 Sekt nach klassischer Methode herstellt. Die wunderschönen Keller können besichtigt werden. Zu bestaunen gibt es dort einen kleinen Wasserfall der aus dem Fels entspringt und ein römisches Rad durch das sich wunderschön das Sonnenlicht bricht.
Andere Weingüter, die einen Besuch wert sind: Marof, das wie ein umgekehrtes Schiff erbaut wurde, in Anlehnung an die Zeit, als das Land noch vom Pannonischen Meer bedeckt war; Zlati Grič, das in den Berghang gebaut wurde und einen Neun-Loch Golfplatz zwischen den Reben zu bieten hat; sowie P&F (Puklavec and Friends), dem größten Weinproduzenten der Region, mit einem siebenstöckigen, zylinderförmigen Kellereigebäude.
Startpunkt: Entweder das Touristeninformationszentrum in Maribor oder in Jeruzalem.
Sehenswert: Jeruzalem, ein kleiner Ort im Herzen eines der besten Terroirs der Welt. Die dort angebauten Weine können im Touristeninformationszentrum probiert werden, ebenso im 300 Jahre alten Landhaus von P&F in den Weinbergen, oder in einem Weinladen in Svetinje, Svetinjska Klet. Halten Sie zum Mittagessen an der rustikalen Gostišče Taverna und probieren Sie die Pinot Noir-Merlot Cuvée, die 25 Monate in Maulbeerbaum-Fässern gereift ist.
Unterkunft: Das Zlati Grič Weingut bietet vier Appartements in einer ehemaligen Villa auf einem Hügels, von wo aus man das Anwesen überblicken kann; Hlebec besitzt sieben gemütliche Zimmer und bietet fantastische Hausmannskost zum Wein, der von Vater und Sohn hergestellt wird, beide heißen Milan Hlebec.
Besuchen Sie keinesfalls das Anfangs genannte kleine Weingut von Radovan Šuman in Zavrh, wenn Sie nicht seine biodynamischen Weine zu schätzen wissen. Ich war dort, als er eine Busreisegruppe abwies. „Sie werden meine Weine nicht verstehen”, meinte er.
Posavje im Südosten ist ein Hotspot für Modra Frankinja und einer interessanten, hellroten, mit wenig Alkohol aber kräftiger Säure ausgestatteten Cuvée namens Cviček. Dies ist ein Verschnitt aus 70% roter Trauben (wie Modra Frankinja oder von Maribor’s alten Reben, Zametna Crnina) und 30% weißen Trauben (Kraljevina, Laški Rizling, Rumeni Plavec, Zeleni Silvanec, Ranfol, Lipna). Im Grunde ist es eine Mischung aus den alten Sorten, die die Reblaus überstanden haben!
Weinkeller Repnica Najgar
Zu meinen Lieblingsproduzenten dieser Region zählt der exzentrische Janez Šekoranja, mit seinem Weingut – ‚Vino Graben‘ – und seinen Besonderheiten, wie einem bronzefarbenen Pinot Gris, der 45 Tage mit den Traubenschalen vergoren wurde, sowie einen süßen Traminer von 1997, der 18 Jahre in Eiche verbrachte. Diese Region hat seinen eigenen, erstklassigen Schaumweinproduzenten, Istenič, dessen Besitzer der ehemalige jugoslawische Torwart Janez Istenič ist. Einige seiner Weine zeigen die Vielfalt, die typisch für dieses Bizeljsko-Gebiet, Rumeni Plavec, ist.
Ein anderer Top-Produzent der Region ist der Süßwein-Guru Jožef Prus. Dies ist der einzige Ort, den ich kenne, an dem man Rumeni Muškat (Gelber Muskateller) in all seinen Variationen probieren kann: trocken, perlig und in drei verschiedenen, süßen Varianten (Spätlese, Eiswein und Trockenbeerenauslese).
Startpunkt: Touristeninformationszentrum in Krško oder Čatežob Savi.
Sehenswert: Die Repnice Weinkeller. Die Einheimischen haben diese Höhlen zur Lagerung von Obst und Gemüse, z.B. Rüben (Repa), in den Hang gegraben. Jetzt werden sie zur Lagerung von Wein genutzt und bieten eine tolle Atmosphäre, um regionale Speisen zu genießen. Ich habe die Repnica Najgar besucht.
Essen: Mein Lieblings-Fischrestaurant im Lande ist Ana Kranjčič, das eine eigene Bio-Fischzucht betreibt. Man kann die Fischzucht vor dem Essen besuchen, um zu sehen, wie die Forellen und Karpfen aufgezogen werden, die später auf dem Teller landen. Ich habe auch auf Burg Sevnica gegessen, die einen eindrucksvollen, runden Keller unter einem ihrer Türme hat.
Unterkunft: Ich übernachtete in einem der vielen natürlichen Spas des Landes, Čatež, das Pools im Innen- und Außenbereich, sowie eine Sauna und ein Casino hat. Eine Alternative dazu wäre die Burg Sevnica des gleichen Unternehmens. Außerdem hat das Weingut Istenič in Bizeljsko acht Doppelzimmer zu bieten.
Primorje, westlich von Ljubljana, ist Sloweniens produktivste Weinbauregion mit einer Produktion von über 25 Millionen Liter Wein im Jahr. Hier befindet sich Sloveniens beliebteste Unterregion, Goriška Brda. Diese Region teilt sich sowohl das Hügelland wie auch die avantgardistische Gesinnung mit den Weinproduzenten im italienischen Collio. Die bekanntesten Weine sind Weißweine, aus der regionalen Leitsorte Rebula (Ribolla Gialla), es gibt aber auch viele gute Merlot-Cabernet-Kompositionen.
Der Star-Winzer in diesem Gebiet ist Aleš Kristančič von Movia. Movia arbeitet seit 20 Jahren biodynamisch und Aleš baut in achter Generation auf dem Anwesen rein biologisch an. Aleš’ Top-Weine sind ein Sauvignon Blanc, der zwei Jahre lang in französischen Eichenfässern gereift ist, ein roter Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinot Noir, sowie zwei Premium-Sekte – Puro und Puro Rosé – die nicht degorgiert sind, also noch die gesamte Hefe enthalten. Sie sind somit praktisch ewig lagerbar, jedoch entsprechend umständlich zu öffnen, da sie zunächst von der Hefe gezogen werden müssen. Eine Anleitung, wie man das unter Wasser selbst bewerkstelligt ist den Flaschen beigelegt.
Weiter die Straße entlang kommt man zum Bio-Winzer Marjan Simčič, dessen Weine ein wenig bodenständiger sind, jedoch ebenso konzentriert, komplex und kraftvoll. Marjan erzählte mir, dass er Wein produziert, der in 10 bis 20 Jahren zu trinken sei und hierfür die Hefen statt Schwefel nutzt, um ihn haltbar zu machen. Sein bekanntester Wein, Leonardo, wird aus getrockneten Rebula-Trauben bereitet und bekehrt wirklich jeden zum Dessertwein- Connoisseur.
Die Straße hinauf gibt es einen kleinen Schaumweinspezialisten, Bjana. Der Weinbauer Miran Sirk nimmt Rebula für seinen, nach klassischer Methode bereiteten Sekt, gemeinsam mit Chardonnay oder Pinot Noir. Miran meint, dass Rebula zur „Eleganz und Frische” der Assemblage beiträgt. Er und seine Frau Petra haben auch zwei luxuriöse Zimmer für Übernachtungsgäste anzubieten.
Für mich sind es die hohe Qualität und die enorme Vielfallt innerhalb von fünf Minuten Fahrt, die dieses Gebiet zu einem Juwel machen. Die benachbarte Unterregion, das Vipava Tal, hat auch viel Interessantes zu bieten. Dort gibt es einige herausragende biodynamisch und biologisch arbeitende Betriebe, Batič, Guerila und Burja nutzen den Vorteil der kräftigen Winde, die durch das Tal wehen. Hier gibt es drei autochthone Rebsorten: Pinela, Zelen und Klarnica. Darüber hinaus hat das Vipava-Tal zwei der besten Restaurants des Landes aufzuweisen: Zemono Manor und Majerija.
Startpunkt: Das Touristeninformationszentrum in Dobrovo, Vipava oder Ajdovščina, oder der Faladur Weinladen in Ajdovščina.
Sehenswert: Die Postojna Höhlen.
Unterkunft: Haus Iaquin in Goriška Brda, geführt von Brüdern, die ihren eigenen Wein produzieren, und Majerija im Vipava-Tal (www.majerija.si/de), mit einem fantastischen Restaurant, die 10 Gästezimmer liegen sämtlich unterirdisch neben dem historischen Bauernhof.
Für englischsprachige Touristen kokettieren die Österreicher gerne mit der Analogie zwischen Austria und Australia. Obwohl ich bezweifle, dass hier tatsächlich noch jemand nach diesen putzigen Tieren fragt, gibt es in den einschlägigen Souvenirshops T-Shirts mit der Aufschrift „No Kangaroos in Austria!“ zu kaufen. Eigentlich braucht sich die Wachau keineswegs mit fremden Tieren zu schmücken, denn sie ist alleine schon eine bezaubernde Landschaft, UNESCO Weltkulturerbe und Heimat einer Vielzahl von seltenen, heimischen Tieren, allen voran der Smaragd Eidechse. Was dieses Tierchen mit dem Wein der Wachau zu tun hat, dazu später mehr.
Die Donau hat dieses wundervolle Stück Landschaft über Millionen von Jahren geformt. Obwohl nur rund 70 Kilometer flussaufwärts von der Metropole Wien entfernt, fühlt man sich hier wie in einer anderen Welt. Das enge Tal, das durch den gewaltigen Strom geteilt wird, erlaubt nur eine kleinteilige Bewirtschaftung. Die hiesigen Weingärten wurden den steilen Hängen in mühevoller Arbeit abgerungen. Kleine Weinorte und romantische Städte liegen zu beiden Ufern des Flusses, der in diesem Bereich nicht gestaut wird, so dass er mit einer hohen Geschwindigkeit fließt und sich in einigen Uferbereichen ungehindert ausbreiten kann.
Weintrauben sind das wichtigste Landwirtschaftliche Produkt dieser Region, gleich gefolgt von einer anderen Frucht, der Marille. Die Wachau ist eine von Österreichs Premium Weinbaugebieten, mit rund 3.300 Hektar an Rebflächen und einem eigenen Klassifikations-System für Wein. Während alle anderen Weinbauregionen in Österreich die geschützte Ursprungsbezeichnung „Districtus Austriae Controllatus“ (DAC) verwenden, hat die Vinea Wachau, in der die meisten der hiesigen Winzer organisiert sind, ihr eigenes Qualitätssystem entwickelt. Steinfeder, Federspiel und Smaragd heißen die unterschiedlichen Qualitätsstufen. Smaragd, die höchste der drei Stufen, bezieht sich auf die oben genannte Eidechsenart, die sich in den wärmenden Trockensteinmauern der Weinberge besonders wohl fühlt. Die wichtigsten Rebsorten dieser Gegend sind der Grüne Veltliner (oftmals auch kurz GV), Riesling und Gelber Muskateller. Rotwein spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, Zweigelt ist die wichtigste heimische Sorte unter den Roten. Es dominiert ganz klar der trockene, bis knochentrockene Stil.
Trauben. Und sonst?
So weit so gut, aber was war nochmal mit den Marillen? Am linken Donauufer, wo die Hänge perfekt zur Sonne ausgerichtet sind, prägen vorrangig Reben das Landschaftsbild. Am rechten, dem Südufer, kultivieren die Landwirte eine andere Frucht, die Wachauer Marille, die zum regionalen Markenzeichen geworden ist. Die Marille ist eine Aprikose, die Einheimischen beharren darauf, dass es eine spezielle Sorte ist und – wie sollte es auch anders sein – natürlich die Beste. Fest steht jedenfalls, dass sie die Frucht in eine Vielzahl von köstlichen Delikatessen verwandeln. Frische Früchte bekommt man nur während der Erntezeit zwischen Juli und August, aber man bekommt sie auch als haltbare Variante in Form von köstlicher Marmelade. Ein absolutes Muss sind die Marillenknödel, eine süße Mehlspeise, die eine ganze Marille enthält. Das ganze kann man dann mit der destillierten Variante der Frucht, dem Marillenbrand abrunden.
Was diese Gegend so reizvoll macht, ist, dass weder die Weinstöcke noch die Marillen in großen Plantagen stehen, sondern als kleine Flecken, den Rieden, in einem Patchwork mit anderem Grün angeordnet sind. Die Reben stehen meist auf schmalen Terrassen, die von Trockensteinmauern gestützt sind, was einen erheblichen Aufwand an Handarbeit für die Winzer bedeutet. Ein tolles Naturschauspiel ist die Marillenblüte im April, wenn die gesamte Region in eine Pracht aus weißen und pinken Blüten gehüllt ist. Das läutet dann auch den Beginn der Tourismus-Saison ein.
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Jetzt aber zum Wein!
Sicherlich ist der Wein das Kernprodukt der Region und es gibt hier einige Weine, die zu den besten der Welt zählen. Im Jahr 2014 wurde ein besonderes Exemplar von Robert Parker mit der höchst möglichen Punktezahl von 100 geehrt. Dieser außergewöhnliche 1995er Riesling „Vinothek“ vom Weingut Nikolaihof ist 17 Jahre im Holzfass gereift. Man könnte meinen, dass dies ein einmaliger Glücksfall war, aber die Prämierung des 1997er Jahrgangs mit 97 Punkten im darauffolgenden Jahr hat gezeigt, dass das sicher keine Eintagsfliege war.
Der Nikolaihof ist ein familiengeführtes Weingut in Mautern am rechten Ufer der Donau. Die Familie Saahs arbeitet strikt biodynamisch nach „demeter“ Richtlinien, einer der strengsten Kontrollorganisationen für biologische Landwirtschaft. Im Nikolaihof gibt es auch eine gemütliche Weinstube mit hervorragender Küche, wo es ausgezeichnete, biologische Gerichte und die gutseigenen Weine im offenen Ausschank gibt. Sogar der 1997er Riesling „Vinothek“ – der 97 Punkte-Wein – war auf der Karte zu finden (der 100-Punkte-1995er war leider zu der Zeit bereits ausverkauft). Unglaublich wie frisch, beinahe jung ein 17 Jahre alter Wein sein kein. Das ist Riesling auf allerhöchstem Niveau! (www.nikolaihof.at)
Wein vom Schweden!
Schräg gegenüber, auf der anderen Seite der Donau, in Stein an der Donau, strebt ein junger Winzer ebenfalls nach dem perfekten Riesling. Sein Name: Urban T. Stagård. Der lustige Kringel im Namen ist keineswegs ein Tippfehler, sondern weist auf seine familiären Wurzeln hin. Er ist halb Schwede, halb Österreicher, was ihn aus der Masse der österreichischen Weinmacher hervorhebt. Das mag mit ein Grund für seinen kometenhaften Aufstieg in der Weinwelt sein, es wäre aber nicht von Dauer, wenn er nicht mit jedem Jahrgang dieses Ansehen bestätigen würde.
Steinzeug in Stein an der Donau, bei Stagårds
Manche bezeichnen Urban als einen „Jungen Wilden“, was auf seinen persönlichen Jahrgang 1978 zurückzuführen ist, andere sehen ihn als Weinverrückten. Wie auch immer, er arbeitet unermüdlich daran seine Weine zu perfektionieren. Gemeinsam mit seiner Frau Dominique produziert er rein biologisch und beschreitet neue Wege, indem er alte Traditionen der Weinbereitung wiederbelebt. In ihrem Keller findet man neben anderen Behältnissen auch Steinzeug Gefäße, in denen die besten Trauben zum Teil auf der Maische vergären. Zwei dieser Gefäße sind ihren neugeborenen Zwillingen gewidmet. Sie enthalten Most von Riesling Trauben und zum Teil noch intakte Trauben mit Stil und Stängel. Urban hat uns erklärt, dass er den Wein erst abfüllt, wenn seine Zwillinge das Wort Riesling aussprechen können. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er es ernst gemeint hat.
Der Stagård Wein mit der höchsten Parker-Bewertung von 94 Punkten ist der 2013er Riesling „Steinzeug“, was sich sowohl auf den Ausbau in eben solchen Gefäßen, als auch auf die Herkunft der Trauben – aus Stein an der Donau – bezieht. Genau genommen gehört Stein an der Donau gerade nicht mehr zum Weinanbaugebiet Wachau, die Grenze verläuft einen Steinwurf entfernt flussaufwärts, Urbans Weine sind also aus der Region Kremstal und entsprechend mit Kremstal DAC etikettiert. Obwohl seine Passion sicher der Riesling ist, so hat er auch tolle Grüne Veltliner zu bieten.
Varmt välkommen zum Heurigen!
Man könnte ja meinen, dass die Stagårds mit der Weinerzeugung und mit ihren Zwillingen voll ausgelastet wären, aber weit gefehlt. Sie beteiligen sich an der hiesigen Tradition der österreichischen Winzer, ihre gute Stube für mehrere Wochen im Jahr in eine Weinstube zu verwandeln. Dann heißt es „Ausg’steckt is“, also dass der Strohkranz als Zeichen für den Heurigen wieder über der Tür hängt. Im Heurigen, auch Buschenschank genannt, wird traditionell der „heurige“, also der diesjährige Wein ausgeschenkt, dazu gibt es regionale Speisen. In dieser Hinsicht weichen die Stagårds ein wenig von der Tradition ab, in ihrem Heurigen gibt es schwedisch beeinflusste Gerichte (www.stagard.at).
Welche Seite soll es sein?
Die Donau ist nicht nur das einende Element der Wachau, sie ist auch das trennende. Es ist nicht immer einfach vom einen Ufer zum anderen zu gelangen. Sicher, es gibt Brücken, aber zwischen der in Melk, am westlichen Ende der Wachau, bis zur nächsten bei Mautern liegen gut 30 Kilometer. Man sollte sich also gut überlegen auf welcher Seite man unterkommen will. Die gute Nachricht, es gibt auch einige Fähren, mit denen man zum gegenüber liegenden Ufer gelangt. Einige befördern aber nur Fußgänger oder Radfahrer. Letzteres wäre ohnehin die empfehlenswerte Fortbewegung, wenn man gerne ein paar Weine probieren möchte. Es gibt zu beiden Seiten des Flusses gut ausgebaute Radwege und an vielen öffentlichen Plätzen auch Räder zu leihen (Verleihstationen sind unter www.nextbike.at zu finden).
Wie schon gesagt, beide Ufer der Donau sind unterschiedlich, aber beide haben auch ihren jeweils eigenen Charme. Das linke Ufer, dort wo die Weinberge dominieren, ist definitiv das belebtere. Die meisten (internationalen) Touristen landen hier und die Orte Spitz, Dürnstein oder Krems auf dieser Seite sind wirklich sehenswert. Das rechte, das Südufer, wo die Marillen die Szenerie beherrschen, ist das ruhigere. Hier kann man herrliche Wanderungen mit tollem Panoramablick unternehmen und selbstverständlich muss man auch hier nicht auf Wein und Speise verzichten. Ein beliebtes Ziel ist Pulker‘s Heurigen in Rührsdorf, der die gesamte Saison, von März bis Oktober geöffnet hat. Eine liebevoll eingerichtete Weinstube mit ausgezeichneter Menükarte (www.pulkers-heuriger.at).
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Tipps für die Reise
Aus Deutschland kommend erreicht man die Wachau mit dem Auto über die Autobahn A1/E60 Richtung Wien. Ab Melk geht es an der Donau entlang in die Wachau.
Der internationale Flughafen Wien-Schwechat (VIE) liegt eine Autostunde entfernt. Ein Auto wäre hilfreich, vor allem, wenn man auch die Orte in der weiteren Umgebung erkunden möchte. Es verkehren regelmäßige Buslinien auf beiden Seiten der Donau, sowie die Wachaubahn, eine historische Eisenbahn, die am linken Ufer direkt unterhalb der Weinberge verläuft.
Generell fällt die Tourismussaison mit der Vegetationsperiode der Reben zusammen. Sie startet Ende April mit dem „Wachauer Frühling“, zu dem Ereignis viele Winzer der Wachau ihre Höfe, Keller und Stuben öffnen. Hier kann man die neuen Weine verkosten.
Es gibt unzählige Unterkunftsmöglichkeiten in sämtlichen Kategorien. Eine sehr hilfreiche Informationsquelle ist der „Best-of-Wachau“ Führer (www.bestof-wachau.at), der ein breites Spektrum an Hotels und Gästehäusern auflistet.
Als ich vor einiger Zeit in Montenegro war, einem Land, das seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 2006 immens an Selbstbewusstsein gewonnen hat, hatte ich das große Glück einige Weingüter besuchen zu können und die heimischen Weine zu kosten.
Mitte des 19. Jahrhunderts verkündete Nikola Petrovic, der junge montenegrinische Prinz: “jeder Soldat, der aus einem Ort stammt, wo Wein gedeiht, muss 200 Reben pflanzen!” und begründete somit ein neues Zeitalter für den montenegrinischen Wein. Ein gutes Jahrhundert später, Anfang der 1970er Jahre, sorgte die Belegschaft eines Landwirtschaftlichen Großbetriebs dafür, dass ein bedeutender Anteil des Ackerlandes für die Kultivierung von Weinreben genutzt wird. Zwischen 1977 und 1982 ist der karge Boden von Cemovsko zu einer der Spitzenlagen für Wein vom Balkan geworden.
Es gibt unzählige Arten von wilden Reben, die nur in dieser Gegend rund um den Skutarisee (Skadarsko Jezero) zu finden sind. In dieser Region sind seit je her viele Weinerzeuger beheimatet. Nur wenige exportieren ins Ausland, die meisten produzieren für den Hausgebrauch oder verkaufen innerhalb Montenegros, manche auch nach Russland, wohin enge Handelsbeziehungen bestehen. An den Hängen der hohen Berge gab es früher noch viele Weinberge, in Folge des zweiten Weltkriegs wurden aber viele Einwohner aus den Dörfern in die Städte getrieben und eine große Zahl dieser Lagen aufgegeben. Das verheerende Erdbeben von 1979 hat zudem die meisten der höher gelegenen Weingärten zerstört.
In Montenegro gibt es drei Hauptregionen mit nennenswertem Weinbau, Podgorica, Rogami und Crmnica. Die besten Weine kommen aus dem Gebiet Crmnica rund um den Skutarisee. Das Grundwasser reicht hier bis wenige Meter unter den Boden, überall gibt es Quellen, perfekte Bedingungen um Wein anzubauen. Ganz in der Nähe liegt der Ort Virpazar, eine alte osmanische Siedlung. Die meisten Familien hier sind entweder Weinerzeuger – so ziemlich jedes Haus hat seinen eigenen Weingarten und Ausstattung zum Keltern – oder Fischhändler, was bei der Nähe zum See nicht verwundert. Der Ort ist ein touristischer Höhepunkt, der für seinen riesigen Markt bekannt ist, wo es hausgemachten Wein und regionalen Fisch zu kaufen gibt. Vor allem im September, wenn das Wein- und Fischfest stattfindet, ist hier großer Trubel.
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Nicht weit entfernt ist das kleine Weingut Savina (http://castelsavina.me/). Seit venezianischen Zeiten wird in dieser Region Wein erzeugt. Von der historischen Weinbau-Tradition zeugt eine alte Katasterkarte aus dem Jahr 1753, mit Flurstücken um das Savina Kloster und den Ort Meljine, die als „terra vignata“ bezeichnet sind. Das Familienweingut Savina arbeitet erst seit zwei Jahren kommerziell. Die Familie Obradović hat mich herzlich begrüßt und mit mir eine Tour über ihr faszinierendes Stück Land gemacht. Oliven- und Zitrusbäume sind in die Weingärten eingestreut, ein fantastischer Anblick. In nur zwei Jahren haben Sie es schon weit gebracht. Sie haben einen serbischen Önologen angestellt, der ihnen “Zuversicht gegeben hat, ihr Familiengeschäft an den Markt zu bringen”. Inzwischen beliefern sie die Spitzenrestaurants Belgrads und Montenegros. “Wir haben die Geschichte der Olivenöl- und Weinproduktion auf unserem Anwesen in die heutige Zeit bringen wollen”. Es gibt bereits Pläne für eine Villa zum Vermieten, ebenso für die Vergrößerung des Guts.
Ich würde unbedingt empfehlen, die Weintour mit einer Kreuzfahrt auf dem Skutarisee abzurunden. Der See ist der größte auf dem Balkan und er rühmt sich eine Vielzahl an gefährdeten Vogelarten zu beheimaten, allen voran den Krauskopfpelikan. Ich hatte das große Glück, gleich fünf dieser seltenen Vögel zu entdecken, mir wurde versichert, dass dies eine ausgesprochene Seltenheit sei. Diese prachtvollen Geschöpfe zu beobachten, wie sie über das azurblaue Wasser gleiten, ist geradezu mystisch.
Die eindrucksvollste Station auf meiner Reise war zweifellos die beim größten Rebfeld Europas – 30 km von der südlichen Adriaküste entfernt. Die idyllisch gelegene, staatliche Weinkellerei Plantaže (http://www.plantaze.com/) wurde 1963 gegründet, beginnend mit 200 Hektar an Rebflächen, und 2 Millionen Euro an Investitionen. Inzwischen hat der größte zusammenhängende Weingarten ‚Ćemovsko polje‘ alleine 2.310 Hektar, das ist mehr als die vier kleinsten Anbaugebiete Deutschlands zusammengenommen. Ich sage staatlich, obwohl 44% der Anteile in Privatbesitz sind. Der Staat hält noch die Mehrheit von 56%, was aber durchaus von Vorteil ist, vor allem wenn es um die riesigen Tourismusmarketing Aktivitäten geht. Die Reben profitieren von 290 Tagen Sonne im Jahr und dem kreidehaltigen Kalksteinboden, sowie den großen Kieselsteinen, die die Hitze des Tages puffern, um sie nachts wieder an die Weinstöcke abzugeben. Alles in Allem optimale Bedingungen.
Neben Oliven, 85 Hektar an Pfirsichbäumen und einer bedeutenden Fischzucht für Regenbogenforellen, gibt es eben diesen riesigen Weingarten, der 27 verschiede Rebsorten beherbergt. Darunter Chardonnay, Cabernet und natürlich Krstač, deren Name auf die Art zurückzuführen ist, wie ihre Trauben ein Kreuz zu bilden scheinen. Es ist eine alte weiße Traubensorte, der Art Vitis Vinifera, die nur in Serbien und Montenegro zu finden ist, wo sie hauptsächlich rund um die Hauptstadt Podgorica wächst. Plantaže ist das einzige Weingut der Welt, das Krstač anbaut und Wein produziert, der diesen Namen auf dem Etikett trägt. Es ist ein erstklassiger, voller, trockener Weißwein mit hellgelber Farbe, Birnen- und Pfirsichnoten sowie harmonischen floralen Aromen, er hat eine angenehme Säure und 12,5-%-Alkohol. Viele haben erfolglos versucht, diese Traubensorte mit ihren ovalen Beeren anderswo zu kultivieren, sie scheint aber nur im günstigen montenegrinischen Klima zu gedeihen, das genau die richtigen Bedingungen, wenig Regen und Eimerweise Sonnenschein zu bieten hat.
Überwältigende 70% der von Plantaže angebauten Reben sind die kräftige Vranac, was schwarzes Pferd bedeutet. Interessanterweise hört man hier nur selten den Ausdruck ‚Rotwein‘, stattdessen sagt man ’schwarzer Wein‘. Vranac hat seit ihrem Ritterschlag auf der Londoner Wine Fair von 1907 viele internationale Auszeichnungen gewonnen. Vranac wächst in kleinen Trauben deren Beeren einen beträchtlichen Zuckergehalt haben. Die Verkäufe von Plantaže setzen sich durchschnittlich aus 25% Weißwein, 10% Branntwein und 65% Vranac zusammen. 40% werden innerhalb von Montenegro, 35% in Serbien und der Rest weltweit vertrieben, insbesondere in Russland, Australien, den Vereinigten Staaten, China und England. In den drei beeindruckenden Weinkellern von Plantaže lagern 2 Millionen Liter Wein, 17 Millionen Flaschen Wein- und Branntwein werden jährlich erzeugt. Die Touristen kommen überwiegend aus Deutschland, Russland und Italien, aber der größte Zulauf kommt aus Skandinavien zusammen mit vielen Montenegrinern, die bislang gar nicht wussten, dass sie in einem Land leben, das den größten Weingarten Europas beherbergt.
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Während die Weingemeinde empfiehlt, Vranac mit Makkaroni, Rindfleischcurry oder Fleischbällchen zu servieren, würde ich vorschlagen diesen Roten mit der regionalen Spezialität ‚Käse in Öl‘ zu paaren. Das ist im Wesentlichen ein reifer trockener Kuhmilch-Käse, der gewürfelt und mit Olivenöl sowie dem hier angebauten Rosmarin, für einen Monat in einem Glas eingelegt wird. Eine weitere Spezialität, die einfach mit Brot, Käse und Wein serviert wird, ist der berühmte luftgetrocknete Schinken aus Njegusi. Man sagt, es geschieht etwas Magisches, wenn hier die beiden Luftströmungen aus dem gebirgigen Norden und von der Adriatischen Küste kollidieren. Es lohnt sich auf jeden Fall ein großes Stück davon mit nach Hause nehmen!
Die Mahlzeiten werden hier gewöhnlich mit einem Schuss Schnaps eingeläutet, Quitte für die Damen und der Traubenbrand Loza, der Sie von den Socken hauen wird, für die Herren. Montenegro ist zweifellos eine kulinarische Entdeckungsreise wert, und wenn man sich auf nur zwei Weine beschränken müsste, dann wären es sicher die, die in diesem Land einzigartig sind; Vranac und Krstač. Das Schöne dabei: Man bekommt je einen Roten und einen Weißen…
Übersetzte Fassung des Artikels „The Wines of Lake Skadar“ von Yasemen Kaner-White, erschienen im Wine Tourist Magazine, Ausgabe März 2016.
Übersetzte Fassung des Artikels „Surreal Moments in Moldova“ von Chris Boiling, erschienen im Wine Tourist Magazine, Ausgabe März 2016.
Alle Augen sind auf uns gerichtet. Unser Mercedes Minivan ist, gemessen an den aufgerissenen Augen der an den Straßen spielenden Kinder, für hiesige Verhältnisse riesig. Seine 201 Pferdestärken konkurrieren gegen die von Pferden gezogenen Karren, die in diesem kleinen osteuropäischen Land weiter verbreitet zu sein scheinen. Das funktionelle, klassische Design des Kombis steht im krassen Gegensatz zu den halb fertigen „Palästen“, die durch ein Labyrinth von Schotterpisten miteinander verbunden sind, auf denen wir gerade entlang holpern.
Weingut Purcari
Wir finden uns in einer Ansammlung aus unvollendeten Prestigeprojekten wieder – nackte Hohlblockwände und weiße Säulen mit glänzenden Goldkuppeln, Statuen von Löwen und Pferden in Gärten voller Schutt. Wir sind in Soroca, im Nordosten der Republik Moldawien, in der Nähe der Grenze zur Ukraine, in einer als ‚Gypsy Hill‘ (Zigeunerhügel) bekannten Region.
Ein dunkelhaariger Teenager, in schwarzen, teuer aussehenden Schuhen, ebensolchem Gürtel und Armbanduhr, führt uns zum Anwesen seiner Familie. Es ist zweifellos beeindruckend. Das imposante Betonblock-Gebäude ist voll mit antiken Möbeln, Wandteppichen, religiösen Skulpturen, Kristallleuchtern und prächtigen Bildern.
Nach der zweieinhalb-stündigen Fahrt von der Hauptstadt Chişinău hierher, bin ich erstmal reif für ein Bad. Es gibt im Haus tatsächlich ein Bad mit einem kleinen Pool gleich neben der Badewanne.
Als ich ins Esszimmer zurückkomme, wird mir selbst erzeugter Rotwein serviert. Er ist süß und näher am Traubensaft als am Wein. Ich heuchle, dass er köstlich sei. Die Frau des Hauses, die der herrschenden Cherari Dynastie angehört, erklärt, warum ihr Mann und ihre anderen Söhne nicht hier sind. Sie sind gerade in den entfernteren Teilen Russlands und verkaufen “Äpfel und Birnen”, die dort als „exotische“ Früchte gelten.
Das Weintrinken in diesem Roma Palast zählt zu einem der wundersamsten Momente meines Lebens. Aber diese viel zu kurze, viertägige Reise nach Moldawien hielt gleich mehrere solcher surrealen Überraschungen für mich bereit. Ich bin auf dieses ehemalig sowjetische Land aufmerksam geworden, weil es mit auf die längste Geschichte der Weinerzeugung zurück blickt (etwa bis auf 3000 v.Chr.), und sich inzwischen mehr auf die westlichen Exportmärkte ausrichtet, nachdem es mit seinem Hauptexportmarkt, Russland wiederholt zu Problemen kam. Zudem hat es einige sehr interessante, autochthone Rebsorten zu bieten, z.B. die Weißen Sorten Feteasca Alba, Feteasca Regală und Viorica sowie die Roten Feteasca Neagră, Rara Neagră und Saperavi.
Was ich nicht erwartet habe, war so viel selbst produzierter Wein. Aber das ist, was die Einheimischen trinken und was man angeboten bekommt, wenn man in ihre Häuser eingeladen wird oder in eines der rustikalen, bodenständigen Restaurants geht. “Es ist eine Moldawische Tradition – jeder baut Trauben an, macht Wein, hat einen Keller”, erklärt meine Reiseleiterin, Natalia Cojuhari. “Wer dich nicht mit einem eigenen Wein begrüßen kann gehört zur Unterschicht.”
Unterstoßen der Maische für den Hausgemachten Wein
Aber auf das anständige Zeug – also Wein, der Exportaufträge erhält und Anhänger rund um den Erdball gewinnen kann – muss ich noch warten, bis ich eine der neuen oder renovierten Weinkellereien besuchen kann. Jene Weingüter, die einen Teil der 330 Millionen Euro erhalten haben, die der Westen im Laufe des letzten Jahrzehnts in Moldawien investiert hat, um es aus der Umklammerung Russlands zu befreien. Immerhin sind rund ein Viertel der Erwerbstätigen des Landes in der Weinindustrie beschäftigt. Ihr Anteil am Bruttoinnlandsprodukt beträgt mehr als 3%.
Inzwischen habe ich herausgefunden, dass der süße Rotwein im Roma Palast nicht unbedingt typisch für den selbst gemachten Wein ist – die meisten haben eine kräftige Säure, was aber ausgesprochen gut zu den traditionellen Gerichten wie Plăcintă (ein vorzüglich schmeckendes gefülltes Gebäck) und Mămăligă (Polenta, mit Schafskäse und Schmand) passt.
Im Gegensatz dazu sind die Weinkellereien auf der Reiseroute glatt und steril. Die Gebäude sind Innen wie Außen tadellos, die Touren werden professionell geführt und sind gut durchdacht. Die Weine sind so, wie man sie sich von den aufstrebenden osteuropäischen Ländern erwartet, die sich zunehmend in Bezug auf Qualität und Güte positionieren.
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In Moldawien gibt es vier Stationen, die man als Weintourist besucht haben sollte. Die zwei großartigen Chateaus, Purcari und Vartely, und die zwei unterirdischen labyrinth-artigen Keller, Cricova und Mileştii Mici.
Weinkeller von Purcari
Purcari, in der südöstlichen Region, ungefähr 114 km von Chişinău entfernt, wurde 1827 gegründet und ist einfach atemberaubend. Es ist ein Chateau im französischen Stil mit acht Suiten, zwei Restaurants, zwei Seen sowie Kellern, die von den früheren Bewohnern – Mönchen – in Form eines Kreuzes erbaut wurden. Die Bosavan Familie hat den Komplex, unterstützt mit reichlich US-Dollars, wieder aufgebaut, stets im Hinblick auf die Touristen. Allerdings eher auf Reisebuspartien statt Weintouristen.
Die Verkostung bei unserer Tour beinhaltete Chardonnay, Cabernet Sauvignon und einen süßen roten Wein, Cahor, der vor allem in den russisch Orthodoxen Gemeinden beliebt ist. Es ist eigentlich eine Schande, weil Purcari wirklich viel interessantere Weine erzeugt, allen voran die Cuvées bei denen jeweils eine regionale Rebsorte mit einem internationalen Partner in einem 51/49-Verhältnis gepaart wird: Rara Neagră mit Malbec oder Feteasca Alba mit Chardonnay. Und natürlich sein ikonischer Wein, Negru de Purcari, der ein Liebling des russischen Kaisers Nicholas II und der britischem Krone seit den Zeiten König George V gewesen sein soll. Er enthält 70% Cabernet Sauvignon, 25% Saperavi und 5% Rara Neagră. Er hat eine tiefe, rubinrote Farbe, reife Pflaumen, Feigen und Gewürze in der Nase sowie rote und schwarze Früchte mit in Eichennoten eingebunden Gewürzen im Mund.
Ein anderer toller Roter ist der Freedom Blend, eine Cuvée aus 50% Rara Neagră, 45% Saperavi und 5% Bastardo. Purcari gehört zu der steigenden Zahl an Erzeugern, die einen sortenreinen Rara Neagră ausbauen. Diese im Anbau schwierige rote Traube hat einen hohen Gerbstoffanteil bei niedriger Säure, sie kann aber einen eleganten Wein irgendwo im Spektrum zwischen Pinot Noir und Sangiovese hervor bringen. In der Nase rote Kirschen und getrocknete Kräuter, mit Granatapfel und floralen Noten sowie etwas Pfeffer und Gewürze. Im Mund hat er einen mittelkräftigen Körper, frisch, beherrscht von roten Beeren und Dörrobst. Die Säure und die Würzigkeit geben ihm eine angenehme Struktur und einen ordentlichen Abgang.
Frederico Giotto, italienischer Weinmacher und Berater
Der italienische Weinberater Federico Giotto, der seit 2009 mit Purcari arbeitet, hat mir erzählt, warum er ein Anhänger der Weine aus Moldawien ist: “Moldawien hat ein Terroir, das Trauben und Weinen eine großartige Identität verleiht. Die Böden sind gewöhnlich sehr dunkel und reich an organischer Masse, aber es gibt auch einige Regionen, wo es, dank des vulkanischen Ursprungs, einen großen Anteil an Eisen im Boden hat. Genau dort werden einige der besten weißen Weine Moldawiens erzeugt. Abgesehen von den Böden sind die weiteren Elemente, die den Character dieser Weine ausmachen, die Ausrichtung und die Nähe zu den vielen Flüssen des Landes und nicht zu vergessen, der Einfluss des Schwarzen Meers.” Vor allem mag er die “außerordentliche Frische und die Ehrlichkeit der Weine”.
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Château Vartely in Orhei, etwa eine Stunde nördlich von Chişinău, ist ein moderner wirkender Komplex, der aber nicht weniger eindrucksvoll ist, mit Unterkünften in ‚traditionellen‘ Villen, zwei großartigen Verkostungsräumen, einem Restaurant und einem ursprünglichen Weingut. Es ist der Traum eines jungen Winzers aus Moldawien, Arcadie Fosneas, der sein Handwerk in Deutschland erlernt hat und eine spezielle Affinität zu den aromatischen Weißen Feteasca Regală, Sauvignon Blanc und Traminer hat. Die Weinkellerei, Teil eines Öl-Konzerns, besitzt 260 Hektar eigene Rebfläche und hat weitere 150 Hektar unter ihrer Kontrolle, von denen sie Trauben zukauft.
Château Vartely
Eine weitere Touristenattraktion in der Nähe, die einen Besuch wert ist, ist das orthodoxe Höhlenkloster Orheiul Vechi (Alt-Orhei), das die einzige UNESCO Welterbestätte Moldawiens ist.
Das surreale an diesen Besuchen war, dass man in einem luxuriösen Chateau saß und hochtrabende Themen, wie die Liebe des russischen Dichters Aleksandr Puskin zu den Zigeunern besprach, nachdem man auf seiner Route gerade an so viel Armut vorbei gekommen ist. “Wir stehen an der Spitze der Liste der Unglücklichen”, hat Natalia gestanden. “Es ist ein schönes Land, aber wir mühen uns ab um einigermaßen zu überleben. Wie können Sie glücklich sein, wenn Sie die Rechnungen nicht bezahlen können? Es ist nur der Wein, der uns glücklich macht.”
Eine andere unwirkliche Erfahrung war die Fahrt (!) durch einen Weinkeller. Tatsächlich es ist noch surrealer als das. Die Cricova ‚Keller‘, ungefähr 15 km nördlich von Chişinău, sind eher eine unterirdische Stadt, wo Straßen nach den Rebsorten benannt und die Häuser riesige Eichenfässer sind. Die Tour durch die Tunnels, die in den Kalkstein gegraben sind, hat Zwischenaufenthalte, um zu sehen, wie die Schaumweine der Weinkellerei gemacht werden und um die nationale Weinsammlung zu begutachten. Die Weine datieren zurück bis ins Jahr 1902 und enthalten die Privatsammlungen von Hermann Göring, Wladimir Putin und Angela Merkel. Ich habe Burgunder und Bordeaux aus den 1930er Jahren und kalifornische Weine aus den 1990er Jahren entdeckt.
Die fünf unter einem bestimmten Thema stehenden Verkostungsräume sind so eindrucksvoll wie die 120 km langen Tunnels. Einer ist im ‚Präsidenten‘-Stil gehalten, ein anderer ist Europäisch, und mein Favorit wird ‚Seeboden‘ (Sea Bottom) genannt. Man trinkt hier Moldawiens Antwort auf Prosecco, Crisecco, 80 Meter unter dem Dorf Cricova, aber es fühlt sich an wie 20.000 Meilen unter dem Meer. Völlig unglaublich. Der Crisecco wird aus Feteasca Albă und Muskateller gemacht. Er ist fruchtig und spritzig, aber meine ‚Lieblingsbrause‘ in Cricova war die Cuvée Aleksandr nach traditioneller Methode bereitet – reich, knackig und absolut erfrischend.
Cricova ist aber nicht der größte Weinkeller in Moldawien und hat auch nicht die größte Sammlung an Weinflaschen. Diese Ehre gehört Mileştii Mici, 25 km nördlich von Chişinău, wo sich eine Tour durch die Kalksteingalerien auf 200 km und 2 Millionen Flaschen aufsummiert. Genug für zwei Einträge im Guinnessbuch der Weltrekorde.
Weingut Et Cetera
Das Problem mit all diesen Orten, war für mich, die Betonung auf der Infrastruktur, obwohl ich der Weine wegen gekommen bin. So war mein Lieblingsbesuch das Weingut Et Cetera etwa 20 Minuten von Purcari entfernt, nahe dem Ort Crocmaz. Et Cetera wird von den Brüdern Igor und Alex Luchianov geführt, die ihr Geld mit dem Betrieb von Casinos auf Kreuzfahrtschiffen in den USA gemacht haben. Ihre funktionelle fabrikartige Weinkellerei – 2009 eröffnet – und das gemütliche Restaurant, ist von 45 Hektar jungen Weinbergen umgeben. Es war nichts Surreales daran hier auf der Terrasse des Restaurants zu sitzen und eine Auswahl von Alex‘ Weinen zu genießen. Es war ein schieres Vergnügen, und ich war sehr dankbar dafür. Der weiße Cuvée, zu gleichen Teilen aus Chardonnay, Pinot Blanc und Sauvignon Blanc, lief sehr geschmeidig. Ebenso der sortenreine Chardonnay – 15%-Alkohol, aber wunderbar eingebunden. Am meisten Spaß haben aber die roten Verschnitte gemacht. Die Cuvée Rouge war dabei herausragend. Ein Blend aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Saperavi und Rara Neagră. Wir konnten ihn aus der Flasche und aus dem Fass kosten. “Er hat Persönlichkeit”, war Igors Kommentar.
Ich habe ihm gesagt, dass er köstlich sei. Und dieses Mal habe ich es auch so gemeint. Ich habe mich zurückgelehnt und den Sonnenschein im Glas aufgesaugt. Ich hätte dort länger bleiben können. Glücklicher Weise baut die Familie acht Gästezimmer, die ab Frühling 2016 bereit sind. Sie bauen auch ein Weingeschäft in Chişinău, in ihrem Büro über dem besten Weinladen der Stadt, Carpe Diem. Ich hatte dort an meinem letzten Abend in Moldawien zu Abend gegessen. Ja, Speisen in einem Weinladen – eine weitere surreale Erfahrung – aber damit hatte ich auch die Chance bekommen, Weine von kleinen Erzeugern wie Vinăria Nobilă, Äquinoktium, Mezalimpe und DAC. Außerdem konnte ich die eigene Reihe von Carpe Diem vom talentierten Weinbauer Ion Luca kosten, der Leiter der Vereinigung der Kleinen Weinerzeuger Moldawiens ist und auch Wein unter dem Crescendo Etikett macht.
Es hat mir gezeigt, dass es in Moldawien mehr Wein zu entdecken gibt als die Top-Namen, und ich habe versprochen, im nächsten Oktober zur Feier des Nationalen Wein Tags zurückzukommen, um noch mehr der 140 Weinkellereien des Landes zu entdecken.
Wie kommt man hin?
Nach Chişinău, Moldawiens Hauptstadt, können Sie von den meisten europäischen Knotenpunkten wie Frankfurt, München, Mailand, Wien und Bukarest fliegen. Die meisten im Artikel erwähnten Orte sind maximal zwei Stunden von der Hauptstadt entfernt.