Editorial | Ausgabe 7 | Oktober 2016

Gallische Dörfer

Wenn wir über gallische Dörfer sprechen, dann meinen wir Orte oder Begebenheiten, die sich dem allgemeinen Trend entziehen, also zu neudeutsch, sich abseits des Mainstreams bewegen. Unweigerlich denken wir an Asterix und die Einleitung in jedem Band: „Ganz Gallien ist von Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf … „ und so weiter und so fort.

Gewissermaßen entspricht dies auch dem Motto des Wein Tourist Magazins: „Wir bringen dich in die weite Welt des Weins!“ Damit gemeint ist, dass wir auch – und vor allem – die Weinregionen etwas abseits des Mainstreams beleuchten wollen.

In dieser Ausgabe des WTM zieht sich das Thema der gallischen Dörfer mal offensichtlich, mal hintergründig durch die Artikel.

Zunächst kommen wir wieder nach Franken, genauer ins Herz des Fränkischen Weinlandes, nach Würzburg. Die Einleitung hierfür könnte lauten: „Ganz Deutschland ist mit Riesling bestock… Ganz Deutschland? Nein! Ein Landstrich im Norden Bayerns stemmt sich äußerst erfolgreich gegen diese Übermacht mit Weinen des Silvaners in lustigen, bauchigen Flaschen.“ Einmalig sind hier aber nicht nur die Bocksbeutel, sondern auch viele einzigartige Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise das UNESCO Weltkulturerbe, die Würzburger Residenz. Wussten Sie, dass darunter die Weinkeller eines der ältesten Weingüter der Welt zu finden sind? (lesen Sie hier den Artikel)

Wien als Dorf zu bezeichnen ist natürlich verwegen, gallisch – im Sinne des geflügelten Wortes – ist es aber allemal. Es ist die einzige Hauptstadt eines Landes mit eigenem Weinanbaugebiet. Damit nicht genug, widersetzt man sich hier auch dem Österreichischen Mainstream und setzt nicht auf eine spezielle Rebsorte, etwa den Grünen Veltliner, sondern gleich auf 5, 10 oder gar 20 verschiedene Sorten… gleichzeitig… im selben Weinberg… sogar im selben Wein. Vielleicht hat man es der allgemeinen Wiener Lethargie zu verdanken, dass sich diese, früher weit verbreitete Form des Weinbaus, hier erhalten hat, heute ist der Wiener Gemischte Satz zum Markenzeichen und Aushängeschild der Wiener Weingärtner geworden. (lesen Sie hier den Artikel)

Wenn wir schon von Gallien reden, dann sollten wir auch mal nach Gallien schauen. Frankreich ist nicht nur Burgund, ist nicht nur Bordeaux. Frankreich hat abseits dieser Mainstream-Hotspots eine große, oft noch unentdeckte Vielfalt zu bieten. Das Languedoc, unter Weinkennern vermeintlich als Anbaugebiet für Massenware verschrien, ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Regionale AOCs schicken sich an das Renommee des größten Weingartens Europas mit Qualität aufzupolieren. La Clape ist eine dieser prosperierenden Appellationen. (lesen Sie hier den Artikel)

Toskana? Klar, Mainstream! Natürlich denkt man sofort an den Chianti Classico beim Lieblingsitaliener ums Eck, oder vielleicht auch an die beliebten, sanft geschwungenen, zypressenbestandenen Hügel zwischen Florenz, Siena und Pisa. Toskana geht aber auch gallisch. Supertoskaner nannte man die Weine der Rebellen, die sich dem Diktat der DOCGs widersetzten und statt der heimischen Sorten auf internationale setzten und damit riesigen Erfolg hatten. Toskana ist aber auch La Maremma, eine herrliche Landschaft etwas abseits des Mainstreams. (lesen Sie hier den Artikel)

Übrigens: Wussten Sie schon, dass Sie alle bisher erschienenen Artikel auf der WTM Homepage wiederfinden können? Neben den aktuellen Artikeln eines jeden Monats gibt es in der Rubrik „Alle Artikel“ auch die Artikel aus den vorherigen Ausgaben zu finden. Also beispielsweise auch den ersten Artikel aus Franken: MainSüden.

Es muss nicht immer Mainstream sein, oder um es mit Obelix zu sagen: „Die spinnen, die Römer!

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit unseren Gallischen Dörfern.

Ihr
Ingo Deckler
Chefredakteur

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Wein direkt vom Winzer

Bocksbeutel küsst Silvaner | Würzburg | Franken

Übersetzte Fassung des Artikels „Home of Dirkules, Silvaner and the Bocksbeutel“ von Ingo Deckler, erschienen im Wine Tourist Magazine, Ausgabe Juli 2015

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In Übersee ist Würzburg vor allem für seinen berühmtesten Sportler bekannt. Es ist die Heimatstadt vom German Wunderkind der NBA, Dirk Nowitzki. Neben diesem Ausnahmeathleten sind Würzburgs meist beachtete „Produkte“ aber der Wein und seine Sehenswürdigkeiten. Die Stadt bietet eine verführerische Mischung aus Tradition und entspannter Lebensart. Auf der einen Seite ist sie Bischofssitz und in mancher Hinsicht sehr konservativ, aber die Universität und verschiedene andere Bildungseinrichtungen sorgen dafür, dass Würzburg eine sehr vitale Stadt ist, voll von jungen Menschen und einer Menge Energie. Wer einmal Würzburg besucht hat, wird für immer ein Fan dieser großartigen Stadt sein. Versprochen!

Blick auf Würzburgs Innenstadt mit den unzähligen Kirchtürmen
Blick auf Würzburgs Innenstadt mit den unzähligen Kirchtürmen

Würzburg, Franken und der Wein

Würzburg ist die Hauptstadt des bayerischen Bezirks Unterfranken. Wenn man sich die Form Deutschlands als einen menschlichen Torso vorstellt, dann ist Würzburg der Nabel. Würzburg liegt im Zentrum des fränkischen Weinlands, das sich von hier aus in Richtung Osten und Westen ausbreitet. Der Main durchquert die Region und verleiht ihr den inoffiziellen Namen „Mainfranken“, was fast gleichbedeutend mit der Weinregion Franken ist.

Im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Weinregionen, wo Riesling den Markt dominiert, ist in Franken der Silvaner die wichtigste Rebsorte. Der Silvaner spiegelt perfekt das Terroir Frankens wider. Die Böden aus dem Trias – Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper – erzeugen elegante Weine mit feiner Mineralität. Die Weine aus dem Silvaner sind eher „zurückhaltend“ in der Intensität der Aromen, haben aber einen dichten, seidigen und komplexen Körper. Dies deckt sich mit dem Temperament des typisch fränkischen Einheimischen. Ihnen wird oft nachgesagt, dass sie zunächst eher zurückhaltend sind, aber wenn man mit ihnen warm wird, sind es wirklich sehr nette Leute.

Bocksbeutel im Keller des Juliusspitals
Bocksbeutel im Keller des Juliusspitals

Neben Silvaner werden in Franken rund sechzig verschiedene Rebsorten angebaut. Ein typisches Weingut hat mindestens 20 oder mehr Weine aus verschiedenen Traubensorten und mit verschiedenen Qualitätsstufen auf seiner Weinliste. Die wichtigsten anderen Weißweinsorten sind Müller-Thurgau (auch Rivaner), Bacchus und Riesling. Rote Rebsorten sind in Franken eher unterrepräsentiert, aber von denen, die hier angebaut werden, ragt der Spätburgunder besonders hervor. 

In Franken werden die Weine traditionell trocken ausgebaut, gelegentlich finden Sie aber auch einige Exemplare von restsüßen Weinen.

Der Bocksbeutel

Sie werden in ganz Franken auf diese runden, bauchigen Flaschen stoßen, die Markenzeichen des Frankenweins und typisch für die Region sind. Nur fränkische Weine mit erforderlicher Mindestqualität und aus regional typischen Rebsorten, wie dem Silvaner, werden im Bocksbeutel abgefüllt.

Der Bocksbeutel reicht zurück bis mindestens ins Jahr 1726, als der Stadtrat von Würzburg anordnete, dass die herausragenden Weine vom Würzburger Stein im Bocksbeutel abgefüllt werden müssen. Man wollte sie damit vor Fälschung schützen. Sicherlich ist der Schutz vor Fälschung heute nicht mehr die Hauptsorge, trotzdem ist der Bocksbeutel weiterhin in Franken weit verbreitet.

Weinkultur trifft Weltkultur (-erbe)

Würzburger Residenz und Hofgarten
Würzburger Residenz und Hofgarten

Würzburg hat beides zu bieten, ausgezeichnete Sehenswürdigkeiten und ausgezeichneten Wein. Das Gute ist, man braucht sich nicht zwischen dem Einen oder dem Anderen zu entscheiden. Sie können beides gleichzeitig haben. Die Keller der wichtigsten Würzburger Weingüter befinden sich in einigen der interessantesten und historisch bedeutendsten Gebäuden der Region.

Die Würzburger Residenz, UNESCO-Weltkulturerbe, sollte ganz oben auf Ihrer Agenda stehen. Das außergewöhnliche Barockschloss wurde es als eindrucksvolle Residenz der Würzburger Fürstbischöfe erbaut. Sie wurde im Jahre 1744, basierend auf den Plänen des berühmten Baumeisters des Barock, Balthasar Neumann, vollendet. Das große Deckenfresko, das imposante Treppenhaus, die Prunksäle und nicht zuletzt die Weinkeller machen dies zu einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Wenn Sie die Zimmer und Säle durchquert haben, dann sollten Sie unbedingt noch in den Keller hinab steigen. Er ist mit hunderten von Fässern in allen Größen belegt, wo die Weine des Staatlichen Hofkeller Würzburg reifen. Der Staatliche Hofkeller wurde im Jahre 1128 gegründet und gehört somit zu den ältesten Weingütern der Welt. Heute ist er im Besitz des Freistaates Bayern. Seine fränkischen Weine sind hoch angesehen.
Im Rosenbach-Palais quer über die Straße, links von der Residenz, befindet sich die Vinothek des Hofkellers, wo Sie alle Weine des Weinguts probieren und natürlich kaufen können . Halten Sie dort Ausschau nach Weinen aus dem Würzburger Stein. Wir kommen später noch auf diesen besonderen Weinberg zu sprechen.

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Trinken Sie Wein für einen guten Zweck

Wenn Sie die Residenz hinter sich lassen, dann können Sie mit einem kurzen Fußmarsch, die in der Innenstadt gelegenen Spitäler erreichen.

Holzfasskeller Juliusspital
Holzfasskeller Juliusspital

Wie der Name schon vermuten lässt, waren das Bürgerspital und das Juliusspital beide einmal Krankenhäuser. Eines von ihnen, das Juliusspital, ist es noch heute. Die Finanzierung der Krankenhäuser wurde zu einem beträchtlichen Teil durch die Herstellung von Wein aus gestifteten Weinbergen getragen. Und diese Praxis besteht bis heute. Wenn Sie also Wein von einem der „Spitäler“ trinken, denken Sie bitte daran, dass Sie es für einen guten Zweck tun. Was gibt es für eine bessere Ausrede, um Wein zu trinken?

Die Geschichte der Stiftung Bürgerspital zum Heiligen Geist, so der vollständige Name, reicht um 700 Jahre zurück. Obwohl sie kein Krankenhaus mehr betreibt, kommt der Erlös aus dem Weingeschäft der Betreuung von älteren Menschen zu Gute, denn das Bürgerspital betreibt heute mehrere Altenheime. Ca. 500 Meter von der Residenz kommend in Richtung Innenstadt, findet man das Anwesen des Bürgerspitals an der Ecke Theaterstraße / Semmelstraße. In dem Eck-Gebäude mit einem Glockenspiel im Giebel, befindet sich das Weinhaus und die Vinothek. Sie bekommen hier die Weine am Tisch serviert, Sie können sie aber auch an der Theke probieren und Flaschenweise zu „ab Hof“ Preisen kaufen. Obwohl natürlich auch hier Silvaner eine große Rolle spielt, hat sich das Weingut große Anerkennung für seine hervorragenden Riesling-Weine erworben, einige davon aus dem Würzburger Stein.

Nochmal rund 300 Meter weiter, im Zentrum Stadt, befindet sich der beeindruckende Barockbau, der das Juliusspital beherbergt. Die Stiftung Juliusspital ist mit etwa 170 Hektar Rebfläche nicht nur das größte Weingut in Franken, sondern auch ein angesehenes Krankenhaus. Der Weinbau trägt einen beträchtlichen Anteil des Unterhalts des Krankenhauses. Sie können eine Führung durch die prachtvollen Gebäude, den Park und die historische Rokoko Apotheke unternehmen. Das große Finale der Tour ist wieder einmal der Weinkeller. Der Keller ist rund 250 Meter lang und voller Fässer in sämtlichen Größen, viele der Fassböden sind mit wundervollen Schnitzereien verziert. Das Weingut Juliusspital ist das größte Silvaner Weingut in Deutschland, und einmal mehr werden die besten Trauben am Würzburger Stein angebaut.

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Brückenschoppen

Die nächste Station ist eine 500 Jahre alte Steinbogenbrücke, die Alte Mainbrücke. Auch wenn es dort kein Weingut gibt, so trifft man dort – besonders an sonnigen Tagen – hunderte von Weintrinker. Die Brücke über den Main ist für den Autoverkehr gesperrt. Man kann an ein paar Fenster-Ausschanken glasweise Wein bekommen. Einheimische und Besucher mischen sich hier, schlendern über die Brücke, entspannen bei einem Glas Wein an der Balustrade und genießen den herrlichen Blick. Am linken Ufer blicken die imposante Festung Marienberg und das Käppele, eine wunderschöne barocke Kapelle, auf die Stadt herab. Folgt man den Blick flussabwärts, dann erkennt man die steilen Hänge des Würzburger Stein, Würzburgs berühmter Weinberg.

DER Weinberg von Würzburg

Der Würzburger Stein ist ein steil aufragender Weinberg am Ufer des Mains, der mit seiner Hangneigung und der Ausrichtung nach Süden beste Bedingungen für den Weinbau bietet. Im Jahre 1665 wurde hier eine der ersten Pflanzungen des Silvaner in Franken vorgenommen. Der Würzburger Stein ist mit ca. 85 Hektar die größte Einzellage in Franken. Zusammen mit dem Staatlichen Hofkeller, dem Bürgerspital und dem Juliusspital baut ein weiteres Weingut Reben an diesem Hang an. Das Weingut am Stein befindet sich direkt im Weinberg. Ludwig Knoll, Winzer und Besitzer des Anwesens, arbeitet biodynamisch und erzeugt Weine von herausragender Qualität. Es ist auch wegen seiner Architektur einen Besuch Wert. Die Gebäude des Anwesens verbinden wundervoll den traditionellen fränkischen Stil mit moderner Architektur.


Unser Veranstaltungstipp für Würzburg

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Probieren, trinken und kaufen

Das Käppele - Barockkapelle über Würzburg
Das Käppele – Barockkapelle über Würzburg

MainWein Weinbistro: Das Weinbistro MainWein auf der Alten Mainbrücke ist ein Ableger der Winzergemeinschaft Franken (GWF), der größten Winzergenossenschaft Frankens. Sie können dort alle Weine probieren, Flaschen zum mitnehmen kaufen oder aber Wein glasweise serviert bekommen. (Alte Mainbrücke 4, 97070 Würzburg | + 49 931 30418778 | www.mainwein-weinbistro.de)

Weingut Reiss: das Weingut Reiss ist ein familiengeführtes Weingut im Norden von Würzburg, etwas außerhalb des Stadtzentrums. Der Winzer Christian Reiss beschreitet neue Wege durch die Wiederbelebung von alten Weinbereitungsverfahren. Einige seiner besten Silvaner-Trauben werden in Amphoren vergoren. In den letzten Jahren hat die Familie Reiss viel in ihren Verkostungs- und Besucherbereich investiert, um ihre Gäste in angenehmen Ambiente Willkommen zu heißen. Martina Reiss ist zertifizierte Weinerlebnisführerin, die jeden Aspekt des fränkischen Weinbaus kennt. (Weingut Reiss, Unterdürrbacher Straße 182, 97080 Würzburg | + 49 931 94600 | info@weingut-reiss.com | www.weingut-reiss.com)

Essen und Trinken

Wenn Sie nach all den Besichtigungen hungrig sind, aber noch nicht genug vom Wein haben, dann sollten Sie eine der vielen  Weinstuben besuchen, wo vor allem traditionelle fränkische Spezialitäten serviert werden.

Eine fränkische Spezialität ist die Bratwurst. Am häufigsten bekommt man sie gebraten, entweder als komplette Mahlzeit mit Kartoffelbrei und Sauerkraut, oder einfach nur im Weck (Brötchen) zum Mitnehmen.

Eine Variation der Bratwurst sind die Blauen Zipfel. Lassen Sie sich nicht vom Namen abschrecken, das ist ein köstliches Gericht. Blaue Zipfel sind Bratwürste, die in einem Sud aus Wein, Essig und Zwiebeln gedünstet werden. Sie werden im Sud serviert, dazu gibt es meist Schwarzbrot. Natürlich passt hierzu hervorragend ein trockener Frankenwein.

In der Spargelzeit im Frühjahr, bekommt man eine Vielzahl von verschiedenen Spargelgerichten. Natürlich passt dazu der Silvaner ganz wunderbar. Die fränkische Platte ist auch eine der größten Spargelregionen in Deutschland.

Im Herbst steht Wild, Ente und Gans hoch im Kurs.

Einkehren

Essen zum Mitnehmen

Bratwurststand Knüpfing: Hier bekommt man die besten Bratwürste (geknickte im Weck) in der Stadt. Der Grillstand befindet sich auf dem Marktplatz und ist eine echte Institution in Würzburg. Lassen Sie sich nicht von der langen Schlange abschrecken, es dauert maximal fünf Minuten bis sie am Tresen sind, denn die Auswahl ist nicht sehr groß. Wenn Sie zum Ausgabe-Fenster kommen, dann ist die einzige Entscheidung, die sie treffen müssen: „mit oder ohne“ (Senf). (Marktplatz, 97070 Würzburg-)

Alte Mainmühle: Dies ist eine hervorragende Location auf der Alten Mainbrücke, und obwohl dies auch ein ausgezeichnetes Restaurant ist, wo man unbedingt rechtzeitig im Voraus reservieren sollte, bekommt man an der Bar auch Bratwürste zum Mitnehmen. Diese Würstchen werden auf Holzkohle gegrillt und sind kleiner als die traditionelle Bratwurst. Dafür bekommt man drei im Weck. (Mainkai 1, 97070 Würzburg | + 49 931 16777 | www.alte-mainmuehle.de)

Veggie Bros: wenn Würstchen nicht Ihr Ding sind und Sie vegetarische oder vegane Speisen suchen, dann sollten Sie den Veggie-Bros eine Chance geben. Dieser kleine Diner, der 2014 eröffnet wurde, entwickelte sich schnell von einem Insider-Tip zu einer beliebten Adresse in der Stadt. Sie bekommen ausgezeichnete Falafel sowie Salate und dazu veganen Wein aus Franken. (Juliuspromenade 38, 97070 Würzburg | + 49 931 45321514 | www.veggiebros.de)

Traditionell

Weinstuben Juliusspital: Eines der besten Wein Restaurants ist beim Weingut Juliusspital zu finden. Konsequenter Weise bekommen Sie ausschließlich Wein zu Ihrem Essen. Fragt man nach einem Bier, wird man an eine Kneipe auf der anderen Straßenseite verwiesen. Das Menü ist von ausgezeichneter Qualität zu angemessenen Preisen. (Juliuspromenade 19, 97070 Würzburg | + 49 931 54080 | www.juliusspital-weinstuben.de)

Restaurant und Weinhaus Stachel: Das Weinhaus Stachel ist Würzburgs älteste Gaststätte. Es hat einen romantischen Innenhof, in dem Sie an warmen Abenden speisen können. Heute ein renommiertes Restaurant, war der Stachel im frühen 16. Jahrhundert der konspirative Treffpunkt der Ritter im Bauernkrieg. Der Morgenstern (Stachel) über der Eingangstür zeugt noch von dieser Geschichte der Weinstube. (Gressengasse 1, 97070 Würzburg | + 49 931 52770 | www.weinhaus-stachel.de)

Weinstube Johanniterbäck: Der Johanniterbäck gehört zu den beliebtesten Gaststuben unter den Einheimischen und ist eine der wenigen verbliebenen Weinstuben, die noch die Tradition der „Bäcks“ pflegen. Die Bäcks entstanden im Mittelalter, als die Bäckereien die Erlaubnis bekamen Wein auszuschenken. Man durfte sein eigenes Essen mitbringen und es zusammen mit dem Wein genießen. Sie können noch immer Ihr eigenes Essen mitbringen, aber weshalb sollte man das wollen? Im Johanniterbäck werden ausgezeichnete, traditionelle Gerichte serviert. Die Zutaten stammen aus der familieneigenen Metzgerei. (Johanniterplatz 3, 97070 Würzburg | + 49 931 54368 | www.weinstube-johanniterbaeck.de)

Würzburger Ratskeller: der Würzburger Ratskeller befindet sich im Rathaus von Würzburg. Er verfügt über 17 verschiedene Gaststuben. Ja richtig, siebzehn! Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, eine Gaststube ist in der alten Kapelle und eine andere war einst das Stadt-Verlies. Es gibt hier auch einen schönen Innenhof, wo Sie neben dem Brunnen speisen können. (Langgasse 1, 97070 Würzburg | + 49 931 13021 | www.ratskeller-wuerzburg.de)

Exklusiv

REISERS am Stein: Mittlerer Steinbergweg 5, 97080 Würzburg | + 49 931 286901 | www.der-reiser.de/reisers-stein.html
Auszeichnungen: Guide Michelin (1 *), Gault Millau (16 P.)

Restaurant KUNO 1408: Neubaustraße 7, 97070 Würzburg | + 49 931 3093-1408 | www.restaurant-kuno.de)
Auszeichnungen: Guide Michelin (1 *), Gault Millau (16 P.)

Festung Marienberg im Morgendunst
Festung Marienberg im Morgendunst

Die beste Reisezeit

Die beste Zeit für Ihre Reise in die fränkische Wein-Region ist zwischen Mai und Oktober, wenn die Weinberge grün und saftig sind. Das ist auch die Weinfest-Saison, wenn fast jede Woche in Würzburg oder einem der umliegenden Orte ein Weinfest stattfindet. Abgesehen von den großen Würzburger Weingütern sind fast alle anderen Winzerhöfe Familienbetriebe. Wenn Sie diese besuchen möchten, empfiehlt es sich die Erntesaison (vor allem von Mitte September bis Anfang Oktober) zu vermeiden, es sei denn Sie wollen bei der Weinlese helfen. Die Familien sind dann sehr beschäftigt und haben nicht viel Muse sich um die Gäste zu kümmern. Am besten melden Sie sich im Voraus kurz telefonisch an. 

Aber auch in der Nebensaison lohnt sich ein Besuch, denn Würzburg hat noch viel mehr zu bieten. In der Adventszeit ist die Stadt aufwändig geschmückt und der wunderschöne Weihnachtsmarkt rivalisiert mit dem weit bekannteren Nürnberger Markt.

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Anreise

Flughafen Frankfurt/Main (FRA): Der Frankfurter Flughafen ist von Würzburg über die A3 in rund einer Autostunde zu erreichen und es gibt stündlich direkte Zugverbindungen mit dem ICE zum Hauptbahnhof Würzburg, was auch etwa eine Stunde dauert. (www.frankfurt-airport.com)

Bahn: Sie werden für Ihren Besuch in Würzburg nicht unbedingt ein Auto brauchen, ziehen sie also den Zug in Betracht. Die Autobahnen rund um die Stadt sind sehr stauanfällig, mit dem Auto brauchen Sie hier Geduld. Würzburg ist ein Knotenpunkt für viele Intercity-Verbindungen. (www.bahn.de)

Flusskreuzfahrt: Die wahrscheinlich erholsamste Möglichkeit Würzburg zu besuchen ist mit einer Fluss-Kreuzfahrt. Im Jahr 2015 haben etwa 1.000 Kreuzfahrtschiffe an der Main-Promenade vor Anker gelegen. Der normale Zwischenstopp in Würzburg ist meist nur ein Tag und eine Nacht, aber die Reise durch das Maintal ist unbeschreiblich schön. Sie werden viele Weinberge entlang der steilen Flussufer sehen und können dabei den Frankenwein genießen. Eine der größten Reedereien mit vielen Routen über Würzburg ist Viking Cruises. (www.vikingrivercruises.com)

Unterkunft

Zentral

Hotel Greifenstein (****): es ist praktisch nicht möglich zentraler zu übernachten, als im Hotel Greifenstein. Dieses Hotel, das auch ein ausgezeichnetes Restaurant hat, befindet sich nur einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt. (Dettelbachergasse 2, 97070 Würzburg | + 49 931 35170 | info@greifensteiner-hof.de | www.greifensteiner-hof.de)

Hotel Zum Winzermännle (***): dieses schöne, kleine Hotel befindet sich im Herzen der Stadt, auf halbem Weg zwischen dem Dom und der Alten Mainbrücke. Die meisten Sehenswürdigkeiten und viele der Weinstuben sind bequem zu Fuß zu erreichen. (Domstraße 32, 97070 Würzburg | + 49 931 54156| info@winzermaennle.de | www.winzermaennle.de)

Luxuriös

BEST WESTERN PREMIER Hotel Rebstock (****): Neubaustraße 7, 97070 Würzburg | + 49 931 30930 | info@rebstock.bestwestern.de | www.bestwestern.de/hotels/Wuerzburg/BEST-WESTERN-PREMIER-Hotel-Rebstock)

Schlosshotel Steinburg (****): Mittlerer Steinbergweg 100, 97080 Würzburg | + 49 931 97020 |  hotel@steinburg.com | www.steinburg.com)

Hotel und Weingut Meintzinger, Frickenhausen
Hotel und Weingut Meintzinger, Frickenhausen

Am Weingut

Weingut und Hotel Meintzinger: das Hotel ist Teil des Anwesens des Weingut Meintzinger in Frickenhausen – ein kleiner Ort ungefähr 20 Kilometer südlich von Würzburg. Im Jahre 1475 erbaut, war es die ehemalige Sommerresidenz der Würzburger Fürstbischöfe. Es bietet kunstvoll dekorierte Zimmer und ausgezeichnete Weine direkt vom Weingut. (Babenbergplatz 4, 97252 Frickenhausen | + 49 9331 87110 | info@hotel-meintzinger.de | www.hotel-meintzinger.de)

Günstig

Jugendherberge Würzburg: Fred-Joseph-Platz 2, 97082, Würzburg | + 49 931-467786-0 | wuerzburg@jugendherberge.de | www.jugendherberge.de/de-de/jugendherbergen/wuerzburg281/portraet)

Babelfish Hostel: Haugerring 2, 97070 Würzburg | + 49 931 3040430 | info@babelfish-hostel.de | www.babelfish-hostel.de)

Wissenswert

Tourist Information: Zimmer-Reservierungen, Buchung von Führungen und eine Vielzahl von Informationen über Würzburg und Franken. (Falkenhaus, Marktplatz 9, 97070 Würzburg | + 49 931 372398 | www.wuerzburg.de)

Franken-Tourist-Information: Tourismuszentrale Würzburg und Fränkisches Weinland. (Gebäude 11, 97070 Würzburg | + 49 931 372335 | tourismus@wuerzburg.de)

Verkehr

Um Würzburg und seine Sehenswürdigkeiten zu besuchen, brauchen Sie kein Auto. Das Stadtzentrum ist Fußgängerzone, und die meisten Sehenswürdigkeiten sind ohnehin zu Fuß erreichbar. Würzburg hat ein ausgezeichnetes öffentliches Verkehrssystem mit Straßenbahnen und Bussen. Zudem gibt es ein City-Bähnchen speziell für das Sightseeing, das alle wichtigen Sehenswürdigkeiten anfährt. Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten und es stehen Audio-Guides in verschiedenen Sprachen zur Verfügung.

Editorial | Ausgabe 6 | September 2016

Hemisphäre Süd

In diesen Tagen beginnt in unseren Gefilden die Lese des 2016er Jahrgangs, bis die ersten Weine dieses Jahrgangs in den Flaschen sind dauert es dann aber mindestens noch bis in den November hinein. Trotzdem halten jetzt schon die ersten 2016er Weine Einzug in den Regalen. Wie ist das möglich?

Während bei uns die Reben im vollen Saft stehen, sind sie auf der „anderen Seite“ unserer Erde gerade in der Winterruhe. Sie haben ihre Trauben schon zwischen Ende Januar und April abgeliefert. Für Wein Touristen, die gerne dem europäischen Winter entfliehen möchten, sind das also ideale Ziele. Deshalb geben wir Ihnen diesen Monat ein paar Anregungen zu Weinanbaugebieten auf der Südhalbkugel. Dort wo unser Sommer überwintert.

Für diejenigen, die auch in der südlichen Hemisphäre nicht auf europäischen Flair verzichten möchten, denen sei die Region Serra Gaúcha im südlichen Brasilien ans Herz gelegt. Nicht umsonst wird die Gegend „Little Europe“ genannt, italienische und deutsche Siedler haben hier ihre Spuren hinterlassen, natürlich auch im Weinbau.

Weiter geht es nach Chile, ins Casablanca Valley, zwischen der Hauptstadt Santiago de Chile und Valparaíso, der UNESCO Welterbestadt am Pazifik. Atemberaubende Landschaften und ausgezeichnete Weingüter erwarten uns hier.

Schließlich schauen wir uns noch in Australien etwas um. Das Hunter Valley ist das älteste Weinanbaugebiet Down Under. Die Aussies verstehen sich aber nicht nur auf dem Gebiet des Weinbaus, sie bieten den Besuchern eine komplette Wein- und Genuss-Erlebniswelt.

Dem schließt sich beinahe nahtlos unser „Wine and the City“ aus der lebhaften Stadt Adelaide an, wo wir ein paar Genießer-Hotspots näher beleuchten. 

Ich wünsche Ihnen viel Spaß auf der anderen Seite der Welt

Ihr
Ingo Deckler
Chefredakteur

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Editorial | Ausgabe 5 | August 2016

Unterwegs

Wie heißt es so schön: „Der Weg ist das Ziel“! Eine Reise lebt nicht vom Ankommen, sondern von den Eindrücken, die man unterwegs sammelt. 

Das sind nicht nur so dahin gesagte Floskeln. Denken Sie nur mal an Ihre ersten Urlaubsreisen mit den Eltern zurück und an was Sie sich dabei erinnern. Bei uns ging es meist ins heutige Kroatien, damals noch Jugoslawien, gemeinsam mit meinem Bruder auf dem Rücksitz unseres Audis. Meine intensivsten Erinnerungen dabei habe ich nicht an die Campingplätze (das Ziel), sondern an den Moment, als auf der Fahrt dorthin das erste Mal das Meer zu sehen war. Den Geruch, den damals der Fahrtwind zum offenen Fenster herein trug, kann ich mir noch heute, gut vierzig Jahre später, ins Gedächtnis rufen. 

Natürlich kann es auch am Ziel wunderschön und erholsam sein, aber gerade als Wein Tourist macht die Route an sich den Reiz des Reisens aus. Wir wollen Ihnen in diesem Monat ein paar Anregungen zu Touren durch die jeweiligen Regionen geben. Wer möchte kann sie wie beschrieben nachfahren, oder Sie lassen sich einfach nur inspirieren und legen sich dann ihre eigene Reiseroute zurecht. 

Zunächst berichte ich über unsere Tour mit dem Wohnmobil entlang der Route des Vins d’Alsace, also der Weinstraße durch das Elsass. Man braucht nicht unbedingt ein Wohnmobil für die Tour, aber sie werden sicher schnell die Vorteile eines solchen erkennen.

Wer sich für Architektur (und Wein) interessiert, der wird sicher an der Tour durch Venetien gefallen finden. Leslie Rosa nimmt uns mit, auf den Spuren des bedeutenden Renaissance Architekten Andrea Palladio, der bezaubernde Villen entworfen hat, die heute – welch ein Zufall – häufig ein Weingut beheimaten.

Krista Lamb entführt uns nach Canada, genauer nach Ontario, oder noch genauer ins Prince Edward County. Die drei Tage im County sind ein wahrer Genuss für alle Sinne.

Selbst der kürzeste Trip kann genussvoll sein, auch wenn es nur eine einzige Nacht während einer Geschäftsreise ist. Vor allem wenn es nach Madrid geht. Rebekah erzählt uns von ihrem Abend dort.

Ich hoffe, wir können Sie dazu inspirieren, die ein oder andere Weinregion zu erkunden. Wie? Das haben sie schon! Dann schicken Sie mir doch einfach ihre Geschichte. Vielleicht lesen wir dann ja demnächst hier von ihren Erlebnissen.

In diesem Sinne: Gute Reise!

Ihr
Ingo Deckler
Chefredakteur

Elsass Road Trip – Im Wohnmobil entlang der Route des Vins d’Alsace

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Das Elsass blickt auf eine bewegte und recht wechselhafte Vergangenheit, als Spielball der ehemaligen Erzfeinde Frankreich und Deutschland, zurück. Zum Glück ist diese Episode längst passé, die unterschiedlichen Herrschaftsverhältnisse der Vergangenheit spiegeln sich aber noch heute in dieser Region und auch im Weinbau wider. Während der Großteil der französischen Weinbaugebiete die Herkunft, also Appellation und Lage (Crû), in den Mittelpunkt stellt, so ist der Weinbau im Elsass eher an die Gepflogenheiten der deutschen Nachbarn angelehnt. Die Rebsorten sind rechts- wie links-rheinisch ähnlich, die Weine sind meist sortenrein ausgebaut und auf dem Etikett ist ganz klar die Rebsorte der Held.

Elsass - Blick aus den Vogesen in die Rheinebene
Elsass – Blick aus den Vogesen in die Rheinebene

Typisch für den Elsässer Wein ist die traditionelle Flaschenform, die sogenannte Flûte d’Alsace, eine schlanke Schlegelflasche, und die Weingläser in denen er serviert wird. Diese erinnern an kleine Römer (man bekommt meist nur 10 cl serviert) mit dünnem, hohem Stil.

Elsass - Riesling ist King
Elsass – Riesling ist King

Riesling, Weiß- und Grauburgunder (Pinot Blanc / Gris), Gewürztraminer sowie Sylvaner führen den Sortenspiegel im Weißweinbereich an und machen das Elsass zu einem ausgewiesenen Weißweingebiet. Beim Rotwein spielt nur Pinot Noir eine Rolle, der aber hier bei weitem nicht an die Klasse anderer französischer Regionen heran reicht. Häufig ist dieser auch als Rosé anzutreffen.

Außerdem hat das Elsass herausragende Schaumweine zu bieten. Die Crémants mit eigener Appellation – AOC Crémant d’Alsace – sind nach der Méthode traditionnelle, also der Champagner Methode hergestellt.

Das Weinanbaugebiet ist gerade mal rund 100 Kilometer in der Nord-Süd Ausdehnung und nur einen Steinwurf über den Rhein von Deutschland entfernt. Der Bergzug der Vogesen, an dessen Ostflanke sich die meisten Weinberge schmiegen, ist bestimmend für das Weinbauklima dieser Region. Das Gebiet ist ideal, um es mit dem eigenen Wagen zu erkunden, mit der Route des Vins d’Alsace, der Elsässer Weinstraße, wird einem sogar die Routenplanung abgenommen, denn die Tour führt auf 170 Kilometern automatisch zu den schönsten, wichtigsten und interessantesten Orten.

Wir waren aber nicht nur mit dem eigenen Wagen, sondern sogar mit dem eigenen Bett unterwegs. Der Charme mit dem Wohnmobil durch das Elsass zu reisen – wie eigentlich durch jede andere Weinregion auch – ist, dass man völlig flexibel planen kann und stets dort halt macht, wo es am schönsten, ruhigsten oder einfach am nächsten zum Wein ist. Als Wein-Tourist ein nicht zu unterschätzender Vorteil!

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Etappe 1 – Prolog: Mulhouse – Thann – Bourbach-le-Haut

Elsass - Frankreich - 2CV
Elsass – Frankreich – 2CV

Der Einstieg in die Route ist, je nach dem aus welcher Himmelsrichtung man anreist, an verschiedenen Stellen möglich. Die Route erstreckt sich etwa hälftig über die beiden Departements Haut Rhin im Süden und Bas Rhin im Norden. Nach unserem Empfinden ist die Haut Rhin Region die ansprechendere, so haben wir unsere Tour d‘Alsace auch im Süden gestartet, sind aus dem Schwarzwald kommend, in Richtung Mulhouse über den Rhein und zum südlichen Startpunkt der Elsässer Weinstraße nach Thann. Hier haben wir auch gleich die erste Routenänderung vorgenommen.

Thann mit dem sicherlich ansehnlichen Stadtkern konnte uns mit der Lage des für Wohnmobile ausgewiesen Parkplatzes – hinter einer Tankstelle und neben einem Einkaufszentrum – so gar nicht begeistern, weshalb wir kurzerhand umgeplant haben. Wir haben zum nächstgelegen Camping-Car Park navigiert, der im nur rund 10 Kilometer entfernten Bourbach-le-Haut lag. Eine abenteuerliche Anfahrt über schmale, steile Straßen haben uns in einen Ort geführt, wo sich sprichwörtlich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wo aber auch ein äußerst einladendes Restaurant uns in den Bann gezogen hat. Außerdem bot unser Stellplatz einen grandiosen, wenn auch verregneten Blick in das grüne Tal, aus dem wir uns zuvor mit unserem rollenden Zuhause hochgekämpft hatten.

Das Restaurant muss weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt sein, denn an diesem Abend hat sich die Einwohnerzahl von Bourbach-le-Haut durch die Restaurantbesucher gefühlt verdoppelt. Wir konnten glücklicherweise einen kleinen Tisch in dem liebevoll eingerichteten Lokal ergattern. Die Weinkarte ist ansehnlich und die Speisen verdienen das Prädikat Haute Cuisine.

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LA BOUGIE
9, route Joffre
68290 Bourbach-le-Haut
France
+33 3 89 82 41 44

Stellplatz: 5,- € pro Nacht, schöner Ausblick ins Tal, Anmeldung gegenüber in der Stadtverwaltung (Mairie). Nach Büroschluss einfach durch Einwurf der Gebühr in den Briefkasten.

Etappe 2 – Guebwiller – Munster – Éguisheim – ColmaR

Die zweite Etappe führt zum Weinort Guebwiller. Hier läuft man leicht Gefahr von der Route abzukommen, denn die Weinstraße trifft auf eine ganze Reihe anderer Themenwege und –straßen, vom Pilgerweg nach Santiago de Compostela (Jakobsweg), über die Romantische Straße (Route Romane) bis zur Route de Crêtes (Kammstraße durch die Vogesen). Zunächst gilt es aber sich auf den Wein zu konzentrieren, denn Guebwiller hat die meisten Grands Cru Lagen im Elsass zu bieten. Die vier Alsace Grand Cru Kitterlé, Saering, Kessler und Spiegel gruppieren sich am steilen Hang eines Vogesenausläufers. Empfehlenswert ist ein Besuch der renommierten Domaines Schlumberger. Die Hälfte der Rebfläche dieses Traditionsweinguts liegt in den Großen Lagen, dementsprechend bekommt man hier eine Fülle an ausgezeichneten Weinen geboten.

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DOMAINES SCHLUMBERGER

100, rue Théodore Deck
68501 GUEBWILLER Cedex France
Phone number: +33(0)3 89 74 27 00
http://www.domaines-schlumberger.com

Wir haben uns dann tatsächlich verleiten lassen, für einen kurzen Abstecher von der Weinstraße abzuweichen, und zwar wegen einer anderen Spezialität dieser Region, dem Munster-Käse. Sicherlich, man bekommt den berühmten, kräftig riechenden Käse auch anderswo, aber wenn man schon mal unterwegs ist, dann kann man auch den kleinen Umweg von ca. 30 Kilometern in Kauf nehmen. Schließlich ist ja der Weg das Ziel. Der Weg dorthin, durch das grüne Tal, ist auch durchaus ansprechend, man trifft auf eine ganze Menge an Kühen, die maßgeblich an der Produktion der regionalen Spezialität beteiligt sind. Des Ortes wegen braucht man hier nicht unbedingt vorbei zu schauen, sehenswert ist allenthalben die Protestantische Kirche, aber die Spezialitätengeschäfte lassen das Gourmet-Herz höher schlagen.

Wieder zurück auf der Route de Vins haben wir im romantischen Eguisheim Halt gemacht. Malerische Gassen und Blumengeschmückte Fachwerkhäuser begeistern die Touristen aus aller Welt. Ein Rundweg leitet einen durch den gesamten Ort. Wir sind hier erstmals auf ein anderes Wahrzeichen des Elsass aufmerksam geworden, dem Storch. In Eguisheim gibt es einen kleinen, etwas skurrilen Storchenpark, wo man die stolzen Vögel aus nächster Nähe betrachten kann. Etwas befremdlich war, dass ein Storch in einer relativ engen Volliere eingesperrt war, wahrscheinlich um den anderen, frei herumfliegenden Partner immer wieder zurück zu locken. Eigentlich ein unnötiges Unterfangen, denn auf der Tour kann man genügend Störche in freier Wildbahn entdecken, zudem bietet jeder Ort den Großvögeln Nistmöglichkeiten, meist auf hohen Türmen, die auch rege genutzt werden.

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Einen anderen Vogel haben wir hier als köstliche Spezialität entdeckt. Bei unserem Rundgang durch Eguisheim sind wir auf vorgekochte und in Gläsern konservierte Gerichte gestoßen, für uns Wohnmobilisten immer eine willkommene Reiseverpflegung. Der „Coq au Riesling“ aus dem Glas, zusammen mit Bandnudeln aus unserem Standard Proviant hätte im Restaurant kaum besser schmecken können. Leider haben wir uns das Gericht erst viel später auf der Reise schmecken lassen, zu spät für die Erkenntnis, dass wir uns mit viel mehr dieser Gläser hätten eindecken sollen.

Elsass - Éguisheim
Elsass – Éguisheim

In Eguisheim gibt es auch einen wunderschön gelegenen Campingplatz, nahe am Ort und direkt in den Weinbergen. Wir haben uns aber entschlossen, diese Etappe im nahen Colmar zu beschließen.

Touristmusinformation: http://www.ot-eguisheim.fr/de/

Pique-nique mit Elsässer Spezialitäten
Pique-nique mit Elsässer Spezialitäten

In Colmar haben wir einen ausgewiesenen Camping Car Park am Rande der Stadt, bei einem kleinen Yachthafen angesteuert. Von dort erreicht man die Innenstadt fußläufig in 15 Minuten. (6 rue du Canal, 68000 Colmar)

Colmar bietet alles was der Weintourist begehrt. Einladende, urige Weinstuben (Wistub), Vinotheken und ausgezeichnete Restaurants. Die Elsässer Küche ist etwas deftiger als die filigrane Haute Cuisine anderer französischer Regionen. Sauerkraut und deftige Fleisch und Wurstgerichte sind häufig die Rieslingbegleiter in den Weinstuben. Wir haben uns am ersten Abend für ein ausgesprochenes Touristenlokal entschieden, Schwendi Bier- und Winstub, das ist absolut zentral gelegen und man kann wunderschön im Freien an einem der durch Colmar fließenden Bäche sitzen und speisen. (23 Grand Rue, 68000 Colmar). Nicht ganz so touristisch, aber ebenso urig ist das Chez Hansi, leider gibt es hier keine Außenplätze, die traditionellen Elsässer Gerichte und der Wein lassen das Manko aber schnell vergessen.

Ein Anlaufpunkt für traditionelle und regionale Spezialitäten ist die Markthalle von Colmar. Wer den Weg nach Munster scheut, der bekommt den Käse auch hier, natürlich genauso wie viele andere Köstlichkeiten, allen voran die leckeren Pasteten. Von dort ist es nur ein Katzensprung ins Klein-Venedig (La Petite Venise), dem malerischen Viertel entlang der Lauch, das – wie der Namen schon vermuten lässt – mit seinen Brücken und den über den Fluss gebauten Häusern an das Italienische Pendant erinnert. In Restaurants der meist gehobeneren Kategorie kann man hier direkt am oder über dem Wasser speisen.

Im August findet in Colmar die Foire aux vins, also die Elsässer Weinmesse statt, bei der sich auch Endverbraucher einen Überblick über die Elsässische Weinkultur verschaffen können.

Colmar ist die Heimatstadt des Künstlers Frédéric Auguste Bartholdi, der hier 1834 geboren wurde. Auch wenn einem der Name nicht auf Anhieb etwas sagt so kennt sicher die ganze Welt sein bedeutendstes Kunstwerk „La Liberté éclairant le Monde“, besser bekannt als „Statue of Liberty“, also der Freiheitsstatue von New York. Sein Geburtshaus ist heute ein Museum seines Schaffens, natürlich mit ausgiebiger Würdigung von Ms. Liberty (30 rue des Marchands).

Etappe 3 – Rundkurs: Kaysersberg – Ribeauvillé – Kaysersberg

Kaysersberg - Wanderung in die Vogesen
Kaysersberg – Wanderung in die Vogesen

Die nächste Etappe führt von Colmar zunächst nach Kaysersberg an den Fuß der Vogesen, das uns mit einem großen und gut ausgestatteten Wohnmobil Stellplatz lockt. Eine Burgruine thront über dem Ort. Die liebevoll hergerichtete Altstadt hat es uns angetan, auch oder vielleicht gerade weil hier auf den Kitsch, der andernorts oft im Übermaß vorhanden ist, verzichtet wird. Von hier aus kann man auch wunderschöne Wanderungen in die Vogesen unternehmen, die herrliche Ausblicke über das Elsass bis in die Rheinebene bieten.

Apropos Kitsch: Am kommenden Tag haben wir uns nach Ribeauvillé aufgemacht. Die entzückenden Fachwerkhäuser in den verschiedensten Farben und die wunderbaren Blumenarrangements sind ohne Frage absolut sehenswert. Leider sehen das auch jede Menge andere Touristen so, weshalb man sich die Straßen mit Busladungen an Menschen teilt. In Ribeauvillé befindet sich eines der bekanntesten Weingüter des Elsass, Maison Trimbach. Hier gibt es ausgezeichnete Rieslinge aus Grands Crû Lagen zu entdecken. Das Weingut befindet sich direkt am Zugang zur Altstadt, für einen Besuch mit Weinprobe und Kellerführung muss man sich aber unbedingt vorher anmelden (http://www.trimbach.fr).

Als Individualreisende sind wir gegen solche Menschenmassen etwas allergisch, weshalb wir wieder den Rückweg nach Kaysersberg eingeschlagen haben und dort den Abend unter Einheimischen, bei einem schönen Glas Wein zum Flammkuchen, in einer gemütlichen Weinbar beschlossen haben.

Schlussetappe – Bas Rhin: Dambach-la-Ville – Wissembourg – Pfalz

Das Departement Bas Rhin hat uns leider mit recht wechselhaftem Wetter begrüßt. Das und der Anfangs erwähnte Umstand, dass wir im Süden bereits den mutmaßlich schöneren Teil der Tour abgefahren haben, hat dazu geführt, dass wir die letzte Etappe nur mit kurzen Zwischenstopps in Dambach-la-Ville und Wissembourg abgefahren haben. Das Deutsche Weintor hat uns dann den Übertritt in die Pfalz signalisiert, das ist aber auch schon die nächste Geschichte.

Ein Verzeichnis der Elsässer Winzer und Weingüter findet man unter www.elsaesserweine.com

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Editorial | Ausgabe 4 | Juli 2016

Inselhopping

Sonne satt, türkisfarbenes Meer und laue Sommernächte, das sind für viele die Grundzutaten für einen gelungenen Urlaub. Wenn man dann noch ein lauschiges Plätzchen an einer Taverne ergattert, wo man mit einem Glas Wein den Sonnenuntergang genießen kann, dann ist das Glück nahezu perfekt.

Bastion Alghero auf Sardinien | Bildquelle: Ezioman
Bastion Alghero auf Sardinien | Bildquelle: Ezioman

Das Mittelmeer hat all diese Zutaten zu bieten. Während sich an den Stränden des Festlands der Massentourismus breit gemacht hat, findet man auf den vorgelagerten Inseln noch ursprüngliche Natur, atemberaubende Ausblicke und in der Tradition verwurzelte Bewohner. Diese Mischung macht den Reiz der Mittelmeerinseln aus. Mit der Juli Ausgabe des Wein Tourist Magazins besuchen wir die Sehnsuchtsorte in der Ägäis sowie vor der Westküste Italiens.

Wer kennt nicht die Postkartenmotive von Santorin, der Griechischen Inselgruppe mit ihren weißgetünchten Häusern, die auf hohen Klippen, im wunderbaren Kontrast zum tiefblauen Meer, stehen. Dort erkunden wir mit Allison Levine die Hauptattraktionen, aber auch die kulinarischen Empfehlungen und Sehenswürdigkeiten abseits der Touristenpfade.

Weniger bekannt aber nicht weniger interessant ist eine der Nachbarinseln unter den Kykladen, nämlich Folegandros. Ein Geheimtipp für Individual- und Genussreisende. Der Sonnenuntergang zum besagten Glas Wein ist hier besonders schön.

Eine große Weinbautradition und eine Fülle an geschichtsträchtigen Orten hat Sardinien zu bieten. Mit ihrer Vielzahl an heimischen Rebsorten ist sie ein Eldorado für Wein Touristen. Mit Manuel Cazzaniga begeistert uns ein langjähriger Kenner von „seiner“ Insel.

Zum Abschluss machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Malta, wo uns Rebekah wieder ihre kulinarischen Entdeckungen verrät.

Ich hoffe, ihnen gefällt unser Inselhopping durch das Mittelmeer und wünsche allseits einen schönen Urlaub.

Ihr
Ingo Deckler
Chefredakteur

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Editorial | Ausgabe 3 | Juni 2016

Europameister!

Der Juni steht ganz im Zeichen der Fußball Europameisterschaft in Frankreich, dem können wir uns natürlich nicht völlig entziehen. Überraschender Weise stehen bei der EM die gleichen Länder auf der Liste der Favoriten ganz oben, die auch im Weinbau in Europa und der Welt führend sind.

Frankreich, Spanien und Italien sind die drei größten Weinproduzenten der Welt und liegen auch, ebenso wie Portugal, beim Pro-Kopf Verbrauch auf den vorderen Plätzen. Sollte es also einen Zusammenhang zwischen den Top-Leistungen auf beiden Feldern, auf dem Fußballfeld und im Weingarten geben? Fest steht jedenfalls, dass in diesen Ländern beides mit größter Leidenschaft gepflegt wird, und nur mit Leidenschaft für die Sache kann man Höchstleistungen erreichen. Egal auf welchem Gebiet.

Wir besuchen diese Länder in dieser Ausgabe des Wein Tourist Magazins, konzentrieren uns aber ausschließlich auf Wein, Genuss, sowie Land und Leute. Der Fußball bleibt dabei außen vor. Garantiert!

Wohin geht es dieses Mal?

Wir beginnen unsere Reise in Portugal, im Douro Tal. Heimat des berühmten Portweins und ältestes geschütztes Ursprungsgebiet für Wein. Ganz nebenbei auch eine wunderschöne Landschaft und UNESCO Weltkulturerbe. 

Weiter geht es zum Nachbarn und ewigen Rivalen, nach Spanien. Nach Ronda, einer traumhaft schönen Stadt mit bewegter Geschichte, die ihre Spuren in der Stadt, in der Kultur und nicht zuletzt im Weinbau hinterlassen hat. Ronda ist eine geteilte Stadt, aber anders als Anderswo wird sie durch ein Naturwunder geteilt, das der Stadt einem atemberaubenden Anblick verleiht. 

Natürlich besuchen wir auch Frankreich, den Ausrichter der EM 2016. Wie kaum eine andere Region steht das Burgund für Weltklasse im Weinbau. Die teuersten Weine und zweifelsfrei einige der besten Gewächse kommen von dort. Wir begeben uns entlang der Route des Grands Crus, schauen uns aber auch etwas abseits der großen Lagen um. 

Schließlich begleiten wir noch Rebekah Pizana auf ihrem Abstecher nach Italien, genauer nach Umbrien. Sie lässt uns an ihrem genussvollen Aufenthalt in einer umwerfend schönen Landschaft teilhaben. 

Um noch ein letztes Mal den Fußball zu streifen: Bordeaux ist Austragungsort der EM, dort findet am 2. Juli eines der Viertelfinale des Turniers statt, zu dem sich die DFB-Elf qualifizieren kann. Nur wenige Tage zuvor findet in Bordeaux mit der Fête la Vin auch das größte Weinfest Europas statt. Wie wäre es denn einfach beides miteinander zu verbinden?

Was immer Sie im Juni bevorzugen, Fußball oder Wein, viel Spaß dabei! Vive la Mannschaft!

Ingo Deckler
Chefredakteur

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Editorial #2 – Mai 2016 – „Richtung Ost-Südost“

In Sachen Wein geben seit langer Zeit die Länder im Westen und Süden Europas den Ton an. Frankreich gibt den Takt vor, in Italien, Spanien, Deutschland und Österreich spielt die Musik. Still und leise, bislang vom Publikum beinahe unbemerkt, betreten aber neue Mitspieler aus dem Südosten die große Bühne. Wir richten diesen Monat unseren Blick speziell in die aufstrebenden Regionen des „nahen Ostens“ Europas, die auf eine lange Weinbau-Tradition zurückblicken, aber gerade in jüngster Vergangenheit ihre Weinindustrie und damit einhergehend die Weinstile modernisiert und in Bezug auf die Qualität enorme Sprünge vollzogen haben.

Der große Reiz an diesen Regionen ist ihr Erbe an den unzähligen, weitestgehend unbekannten, autochthonen Rebsorten, die es hier zu entdecken gibt. Natürlich halten auch die internationalen Sorten Einzug, häufig befördert durch internationale Investoren und gefördert von westlichen Institutionen. Ein weiteres Pfund mit dem diese Weinbaugebiete wuchern können ist die sagenhafte Landschaft, was mich persönlich aber am meisten überrascht hat sind die vielen Superlative, die wir hier vorfinden. Seien es die größten Weinkeller und die größte Weinsammlung der Welt oder aber der größte Weingarten Europas. 

WOHIN GEHT ES DIESES MAL?

Wir beginnen unsere Reise in Österreich an der Donau, genauer in der Wachau. Wir finden dort Weltkulturerbe und Weltklasse Weine. Von dort geht es weiter auf den Balkan nach Slowenien und Montenegro. Die Weinindustrie beider Länder hat seit deren Unabhängigkeit einen enormen Aufschwung erlebt. Weiter in Richtung Osten treffen wir wieder auf die Donau auf ihrem Weg zum Schwarzen Meer, wir machen hier Station in Moldawien das uns in vielerlei Hinsicht zum Staunen bringt und runden schließlich unsere Reise mit einem Kellergespräch mit einer bekannten Weinmacherin aus Rumänien ab. 

Zu Beginn habe ich das Bild des „Orchesters“ gewählt und das nicht ohne Hintergrund, denn wir freuen uns ganz besonders über den ersten Beitrag von Aloisia Dauer, die sich auf die Weine Rumäniens konzentriert. Neben der Welt des Weins ist Aloisia in der Welt der Musik zu Hause, als Violinistin auf höchstem Niveau. Sie findet in ihren Berichten garantiert den richtigen Ton.

Viel Spaß bei unserer Reise Richtung Ost-Südost

Ingo Deckler
Chefredakteur

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naturzeit.com

Wachau: Marillen, 100 Parker Punkte aber keine Kängurus!

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Für englischsprachige Touristen kokettieren die Österreicher gerne mit der Analogie zwischen Austria und Australia. Obwohl ich bezweifle, dass hier tatsächlich noch jemand nach diesen putzigen Tieren fragt, gibt es in den einschlägigen Souvenirshops T-Shirts mit der Aufschrift „No Kangaroos in Austria!“ zu kaufen. Eigentlich braucht sich die Wachau keineswegs mit fremden Tieren zu schmücken, denn sie ist alleine schon eine bezaubernde Landschaft, UNESCO Weltkulturerbe und Heimat einer Vielzahl von seltenen, heimischen Tieren, allen voran der Smaragd Eidechse. Was dieses Tierchen mit dem Wein der Wachau zu tun hat, dazu später mehr.

Die Donau hat dieses wundervolle Stück Landschaft über Millionen von Jahren geformt. Obwohl nur rund 70 Kilometer flussaufwärts von der Metropole Wien entfernt, fühlt man sich hier wie in einer anderen Welt. Das enge Tal, das durch den gewaltigen Strom geteilt wird, erlaubt nur eine kleinteilige Bewirtschaftung. Die hiesigen Weingärten wurden den steilen Hängen in mühevoller Arbeit abgerungen. Kleine Weinorte und romantische Städte liegen zu beiden Ufern des Flusses, der in diesem Bereich nicht gestaut wird, so dass er mit einer hohen Geschwindigkeit fließt und sich in einigen Uferbereichen ungehindert ausbreiten kann.

 

Weintrauben sind das wichtigste Landwirtschaftliche Produkt dieser Region, gleich gefolgt von einer anderen Frucht, der Marille. Die Wachau ist eine von Österreichs Premium Weinbaugebieten, mit rund 3.300 Hektar an Rebflächen und einem eigenen Klassifikations-System für Wein. Während alle anderen Weinbauregionen in Österreich die geschützte Ursprungsbezeichnung „Districtus Austriae Controllatus“ (DAC) verwenden, hat die Vinea Wachau, in der die meisten der hiesigen Winzer organisiert sind, ihr eigenes Qualitätssystem entwickelt. Steinfeder, Federspiel und Smaragd heißen die unterschiedlichen Qualitätsstufen. Smaragd, die höchste der drei Stufen, bezieht sich auf die oben genannte Eidechsenart, die sich in den wärmenden Trockensteinmauern der Weinberge besonders wohl fühlt. Die wichtigsten Rebsorten dieser Gegend sind der Grüne Veltliner (oftmals auch kurz GV), Riesling und Gelber Muskateller. Rotwein spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, Zweigelt ist die wichtigste heimische Sorte unter den Roten. Es dominiert ganz klar der trockene, bis knochentrockene Stil.

Trauben. Und sonst?

So weit so gut, aber was war nochmal mit den Marillen? Am linken Donauufer, wo die Hänge perfekt zur Sonne ausgerichtet sind, prägen vorrangig Reben das Landschaftsbild. Am rechten, dem Südufer, kultivieren die Landwirte eine andere Frucht, die Wachauer Marille, die zum regionalen Markenzeichen geworden ist. Die Marille ist eine Aprikose, die Einheimischen beharren darauf, dass es eine spezielle Sorte ist und – wie sollte es auch anders sein – natürlich die Beste. Fest steht jedenfalls, dass sie die Frucht in eine Vielzahl von köstlichen Delikatessen verwandeln. Frische Früchte bekommt man nur während der Erntezeit zwischen Juli und August, aber man bekommt sie auch als haltbare Variante in Form von köstlicher Marmelade. Ein absolutes Muss sind die Marillenknödel, eine süße Mehlspeise, die eine ganze Marille enthält. Das ganze kann man dann mit der destillierten Variante der Frucht, dem Marillenbrand abrunden.

Was diese Gegend so reizvoll macht, ist, dass weder die Weinstöcke noch die Marillen in großen Plantagen stehen, sondern als kleine Flecken, den Rieden, in einem Patchwork mit anderem Grün angeordnet sind. Die Reben stehen meist auf schmalen Terrassen, die von Trockensteinmauern gestützt sind, was einen erheblichen Aufwand an Handarbeit für die Winzer bedeutet. Ein tolles Naturschauspiel ist die Marillenblüte im April, wenn die gesamte Region in eine Pracht aus weißen und pinken Blüten gehüllt ist. Das läutet dann auch den Beginn der Tourismus-Saison ein.

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Jetzt aber zum Wein!

Sicherlich ist der Wein das Kernprodukt der Region und es gibt hier einige Weine, die zu den besten der Welt zählen. Im Jahr 2014 wurde ein besonderes Exemplar von Robert Parker mit der höchst möglichen Punktezahl von 100 geehrt. Dieser außergewöhnliche 1995er Riesling „Vinothek“ vom Weingut Nikolaihof ist 17 Jahre im Holzfass gereift. Man könnte meinen, dass dies ein einmaliger Glücksfall war, aber die Prämierung des 1997er Jahrgangs mit 97 Punkten im darauffolgenden Jahr hat gezeigt, dass das sicher keine Eintagsfliege war.

Der Nikolaihof ist ein familiengeführtes Weingut in Mautern am rechten Ufer der Donau. Die Familie Saahs arbeitet strikt biodynamisch nach „demeter“ Richtlinien, einer der strengsten Kontrollorganisationen für biologische Landwirtschaft. Im Nikolaihof gibt es auch eine gemütliche Weinstube mit hervorragender Küche, wo es ausgezeichnete, biologische Gerichte und die gutseigenen Weine im offenen Ausschank gibt. Sogar der 1997er Riesling „Vinothek“ – der 97 Punkte-Wein – war auf der Karte zu finden (der 100-Punkte-1995er war leider zu der Zeit bereits ausverkauft). Unglaublich wie frisch, beinahe jung ein 17 Jahre alter Wein sein kein. Das ist Riesling auf allerhöchstem Niveau! (www.nikolaihof.at)

Wein vom Schweden!

Schräg gegenüber, auf der anderen Seite der Donau, in Stein an der Donau, strebt ein junger Winzer ebenfalls nach dem perfekten Riesling. Sein Name: Urban T. Stagård. Der lustige Kringel im Namen ist keineswegs ein Tippfehler, sondern weist auf seine familiären Wurzeln hin. Er ist halb Schwede, halb Österreicher, was ihn aus der Masse der österreichischen Weinmacher hervorhebt. Das mag mit ein Grund für seinen kometenhaften Aufstieg in der Weinwelt sein, es wäre aber nicht von Dauer, wenn er nicht mit jedem Jahrgang dieses Ansehen bestätigen würde.

Steinzeug in Stein an der Donau, bei Stagårds
Steinzeug in Stein an der Donau, bei Stagårds

Manche bezeichnen Urban als einen „Jungen Wilden“, was auf seinen persönlichen Jahrgang 1978 zurückzuführen ist, andere sehen ihn als Weinverrückten. Wie auch immer, er arbeitet unermüdlich daran seine Weine zu perfektionieren. Gemeinsam mit seiner Frau Dominique produziert er rein biologisch und beschreitet neue Wege, indem er alte Traditionen der Weinbereitung wiederbelebt. In ihrem Keller findet man neben anderen Behältnissen auch Steinzeug Gefäße, in denen die besten Trauben zum Teil auf der Maische vergären. Zwei dieser Gefäße sind ihren neugeborenen Zwillingen gewidmet. Sie enthalten Most von Riesling Trauben und zum Teil noch intakte Trauben mit Stil und Stängel. Urban hat uns erklärt, dass er den Wein erst abfüllt, wenn seine Zwillinge das Wort Riesling aussprechen können. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er es ernst gemeint hat.

Der Stagård Wein mit der höchsten Parker-Bewertung von 94 Punkten ist der 2013er Riesling „Steinzeug“, was sich sowohl auf den Ausbau in eben solchen Gefäßen, als auch auf die Herkunft der Trauben – aus Stein an der Donau – bezieht. Genau genommen gehört Stein an der Donau gerade nicht mehr zum Weinanbaugebiet Wachau, die Grenze verläuft einen Steinwurf entfernt flussaufwärts, Urbans Weine sind also aus der Region Kremstal und entsprechend mit Kremstal DAC etikettiert. Obwohl seine Passion sicher der Riesling ist, so hat er auch tolle Grüne Veltliner zu bieten.

Varmt välkommen zum Heurigen!

Man könnte ja meinen, dass die Stagårds mit der Weinerzeugung und mit ihren Zwillingen voll ausgelastet wären, aber weit gefehlt. Sie beteiligen sich an der hiesigen Tradition der österreichischen Winzer, ihre gute Stube für mehrere Wochen im Jahr in eine Weinstube zu verwandeln. Dann heißt es „Ausg’steckt is“, also dass der Strohkranz als Zeichen für den Heurigen wieder über der Tür hängt. Im Heurigen, auch Buschenschank genannt, wird traditionell der „heurige“, also der diesjährige Wein ausgeschenkt, dazu gibt es regionale Speisen. In dieser Hinsicht weichen die Stagårds ein wenig von der Tradition ab, in ihrem Heurigen gibt es schwedisch beeinflusste Gerichte (www.stagard.at).

Welche Seite soll es sein?

Die Donau ist nicht nur das einende Element der Wachau, sie ist auch das trennende. Es ist nicht immer einfach vom einen Ufer zum anderen zu gelangen. Sicher, es gibt Brücken, aber zwischen der in Melk, am westlichen Ende der Wachau, bis zur nächsten bei Mautern liegen gut 30 Kilometer. Man sollte sich also gut überlegen auf welcher Seite man unterkommen will. Die gute Nachricht, es gibt auch einige Fähren, mit denen man zum gegenüber liegenden Ufer gelangt. Einige befördern aber nur Fußgänger oder Radfahrer. Letzteres wäre ohnehin die empfehlenswerte Fortbewegung, wenn man gerne ein paar Weine probieren möchte. Es gibt zu beiden Seiten des Flusses gut ausgebaute Radwege und an vielen öffentlichen Plätzen auch Räder zu leihen (Verleihstationen sind unter www.nextbike.at zu finden).

Wie schon gesagt, beide Ufer der Donau sind unterschiedlich, aber beide haben auch ihren jeweils eigenen Charme. Das linke Ufer, dort wo die Weinberge dominieren, ist definitiv das belebtere. Die meisten (internationalen) Touristen landen hier und die Orte Spitz, Dürnstein oder Krems auf dieser Seite sind wirklich sehenswert. Das rechte, das Südufer, wo die Marillen die Szenerie beherrschen, ist das ruhigere. Hier kann man herrliche Wanderungen mit tollem Panoramablick unternehmen und selbstverständlich muss man auch hier nicht auf Wein und Speise verzichten. Ein beliebtes Ziel ist Pulker‘s Heurigen in Rührsdorf, der die gesamte Saison, von März bis Oktober geöffnet hat. Eine liebevoll eingerichtete Weinstube mit ausgezeichneter Menükarte (www.pulkers-heuriger.at).

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Tipps für die Reise

Aus Deutschland kommend erreicht man die Wachau mit dem Auto über die Autobahn A1/E60 Richtung Wien. Ab Melk geht es an der Donau entlang in die Wachau.

Der internationale Flughafen Wien-Schwechat (VIE) liegt eine Autostunde entfernt. Ein Auto wäre hilfreich, vor allem, wenn man auch die Orte in der weiteren Umgebung erkunden möchte. Es verkehren regelmäßige Buslinien auf beiden Seiten der Donau, sowie die Wachaubahn, eine historische Eisenbahn, die am linken Ufer direkt unterhalb der Weinberge verläuft.

Generell fällt die Tourismussaison mit der Vegetationsperiode der Reben zusammen. Sie startet Ende April mit dem „Wachauer Frühling“, zu dem Ereignis viele Winzer der Wachau ihre Höfe, Keller und Stuben öffnen. Hier kann man die neuen Weine verkosten.

Es gibt unzählige Unterkunftsmöglichkeiten in sämtlichen Kategorien. Eine sehr hilfreiche Informationsquelle ist der „Best-of-Wachau“ Führer (www.bestof-wachau.at), der ein breites Spektrum an Hotels und Gästehäusern auflistet.

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Editorial #1 – April 2016 – „Zwei Welten“

Zunächst mal ein herzliches Willkommen, schön dass Sie zu uns gefunden haben. Mein Name ist Ingo Deckler und ich zeichne mich verantwortlich für die deutsche Ausgabe des Wein Tourist Magazins.

Vorweg etwas persönliches. Bevor ich mich intensiv mit Wein beschäftigt habe, war ich zugegebenermaßen eine ziemliche Niete in Erdkunde. Mit dem Interesse für das Eine wuchs aber auch die Freude am Anderen. Denn kaum eine andere Kulturlandschaft ist so faszinierend, wie die der Weinanbaugebiete der Welt. Und was gibt es schöneres, als einem Genuss zu frönen und das mit seiner Reiselust zu verbinden. Ich hoffe, wir können Sie mit dieser Kombination ebenso begeistern.

Die Weinwelt unterscheidet ja noch immer gerne zwischen der alten – also der Europäischen – und der neuen Welt, in den Überseegebieten. Die erste Ausgabe des Wein Tourist Magazin befasst sich auch mit diesen beiden Welten und das durchaus mit einem besonderen Hintergrund. Denn anders als bei den Rebsorten, die von der Alten in die Neue importiert wurden, so haben wir mit dem Wein Tourist Magazin eine wundervolle Idee aus der Neuen, aus den Vereinigten Staaten, zu uns in die Alte geholt. Das US-amerikanische Wine Tourist Magazin erscheint sehr erfolgreich seit Juni 2015, mit interessanten Artikeln, Geschichten und Wissenswertem aus den Weinanbaugebieten sowie von den kulinarischen Hotspots aus der ganzen Welt. Mit der deutschen Ausgabe „vereuropäisieren“ wir nun dieses Konzept.

Beide Wein-Welten – die Alte und die Neue – wachsen zusammen.

Die April Ausgabe wird für beide, die US und die deutsche Edition, eine besondere sein. Für die deutsche, ganz klar, weil die erste, aber auch für die US-amerikanische, da beide Ausgaben zeitgleich einen gemeinsamen Feature Artikel bringen, selbstverständlich in der jeweiligen Sprache. Ohne zu viel verraten zu wollen, der Artikel handelt von einer Winzerfamilie, die beide Wein-Welten quasi unter einen Hut bringt, aber lesen Sie bitte selbst, wahlweise hier in Deutsch oder unter www.winetouristmagazine.com in Englisch.

Wohin geht es dieses Mal?

Wir werden in dieser, der ersten Ausgabe, einen großen Rundflug über die Weinwelt machen. Wir starten in besagtem Feature vom Kaiserstuhl in Baden nach Wairarapa in Neuseeland, kommen dann mit den anderen Artikeln über Oregon im Nordwesten der USA und dem argentinischen Mendoza schließlich wieder zurück nach Europa, um über einen kurzen Abstecher in Rom wieder in meiner Heimat Franken anzukommen.

Diese Reise um die Welt wird diesmal nicht 80 sondern nur 30 Tage dauern, denn im Mai werden wir Sie schon mit auf die nächste Tour nehmen. Dann mit neuen interessanten Zielen aus der weiten Welt des Weins.

Viel Spaß beim Lesen und beim Planen der neuen Reiseziele.

Ingo Deckler
Chefredakteur

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