Editorial | Ausgabe 7 | Oktober 2016

Gallische Dörfer

Wenn wir über gallische Dörfer sprechen, dann meinen wir Orte oder Begebenheiten, die sich dem allgemeinen Trend entziehen, also zu neudeutsch, sich abseits des Mainstreams bewegen. Unweigerlich denken wir an Asterix und die Einleitung in jedem Band: „Ganz Gallien ist von Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf … „ und so weiter und so fort.

Gewissermaßen entspricht dies auch dem Motto des Wein Tourist Magazins: „Wir bringen dich in die weite Welt des Weins!“ Damit gemeint ist, dass wir auch – und vor allem – die Weinregionen etwas abseits des Mainstreams beleuchten wollen.

In dieser Ausgabe des WTM zieht sich das Thema der gallischen Dörfer mal offensichtlich, mal hintergründig durch die Artikel.

Zunächst kommen wir wieder nach Franken, genauer ins Herz des Fränkischen Weinlandes, nach Würzburg. Die Einleitung hierfür könnte lauten: „Ganz Deutschland ist mit Riesling bestock… Ganz Deutschland? Nein! Ein Landstrich im Norden Bayerns stemmt sich äußerst erfolgreich gegen diese Übermacht mit Weinen des Silvaners in lustigen, bauchigen Flaschen.“ Einmalig sind hier aber nicht nur die Bocksbeutel, sondern auch viele einzigartige Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise das UNESCO Weltkulturerbe, die Würzburger Residenz. Wussten Sie, dass darunter die Weinkeller eines der ältesten Weingüter der Welt zu finden sind? (lesen Sie hier den Artikel)

Wien als Dorf zu bezeichnen ist natürlich verwegen, gallisch – im Sinne des geflügelten Wortes – ist es aber allemal. Es ist die einzige Hauptstadt eines Landes mit eigenem Weinanbaugebiet. Damit nicht genug, widersetzt man sich hier auch dem Österreichischen Mainstream und setzt nicht auf eine spezielle Rebsorte, etwa den Grünen Veltliner, sondern gleich auf 5, 10 oder gar 20 verschiedene Sorten… gleichzeitig… im selben Weinberg… sogar im selben Wein. Vielleicht hat man es der allgemeinen Wiener Lethargie zu verdanken, dass sich diese, früher weit verbreitete Form des Weinbaus, hier erhalten hat, heute ist der Wiener Gemischte Satz zum Markenzeichen und Aushängeschild der Wiener Weingärtner geworden. (lesen Sie hier den Artikel)

Wenn wir schon von Gallien reden, dann sollten wir auch mal nach Gallien schauen. Frankreich ist nicht nur Burgund, ist nicht nur Bordeaux. Frankreich hat abseits dieser Mainstream-Hotspots eine große, oft noch unentdeckte Vielfalt zu bieten. Das Languedoc, unter Weinkennern vermeintlich als Anbaugebiet für Massenware verschrien, ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Regionale AOCs schicken sich an das Renommee des größten Weingartens Europas mit Qualität aufzupolieren. La Clape ist eine dieser prosperierenden Appellationen. (lesen Sie hier den Artikel)

Toskana? Klar, Mainstream! Natürlich denkt man sofort an den Chianti Classico beim Lieblingsitaliener ums Eck, oder vielleicht auch an die beliebten, sanft geschwungenen, zypressenbestandenen Hügel zwischen Florenz, Siena und Pisa. Toskana geht aber auch gallisch. Supertoskaner nannte man die Weine der Rebellen, die sich dem Diktat der DOCGs widersetzten und statt der heimischen Sorten auf internationale setzten und damit riesigen Erfolg hatten. Toskana ist aber auch La Maremma, eine herrliche Landschaft etwas abseits des Mainstreams. (lesen Sie hier den Artikel)

Übrigens: Wussten Sie schon, dass Sie alle bisher erschienenen Artikel auf der WTM Homepage wiederfinden können? Neben den aktuellen Artikeln eines jeden Monats gibt es in der Rubrik „Alle Artikel“ auch die Artikel aus den vorherigen Ausgaben zu finden. Also beispielsweise auch den ersten Artikel aus Franken: MainSüden.

Es muss nicht immer Mainstream sein, oder um es mit Obelix zu sagen: „Die spinnen, die Römer!

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit unseren Gallischen Dörfern.

Ihr
Ingo Deckler
Chefredakteur

– Anzeige –

Wein direkt vom Winzer